Sieben Thesen zur Christlichen Herzensbildung in der Missbrauchskrise

von Matthias Eggers


Kritische Diskussion erwünscht!

Wir laden Sie ein, hier mit uns zu diskutieren (unten auf der Seite).
In den vergangenen Tagen gab es an verschiedenen Stellen (vor allem bei Facebook) Diskurse über den richtigen Umgang mit den Missbrauchsvorwürfen gegenüber Pfarrer Georg Merettig. Nun hat Pfarrer Eggers sieben Thesen zur Christlichen Herzensbildung in der Missbrauchskrise aufgestellt, die Sie hier mit uns kritisch diskutieren können.
Wer nicht auf der Homepage schreiben kann oder möchte, kann seine Gedanken gerne schriftlich ans Pfarrbüro schicken. Wir würden diese dann hier mit den anderen Beiträgen veröffentlichen.

1. Die Wahrheit macht Euch frei

Es gehört zu den wichtigen Tugenden eines jeden Christen, sich den Abgründen und Dunkelheiten zu stellen. Wir können dem Bösen und Hässlichen ins Gesicht schauen, weil wir in unserem Herzen gehalten sind. Eine Kirche, die von ihren Gläubigen aufrichtige Gewissenserforschung erwartet, muss mit gutem Beispiel vorangehen.

2. Leidtragende in den Blick nehmen

Christliche Nachfolge heißt auf der Seite der Leidtragenden zu stehen. Unsere Kirche hat weithin Glaubwürdigkeit verloren, weil über Jahrzehnte nicht die Opfer und Betroffenen im Blick waren, sondern immer das Ansehen der Kleriker und der Institution Kirche im Mittelpunkt stand. Dadurch hat die Kirche große Schuld auf sich geladen.

3. In der Katastrophe nicht Weglaufen

Im Leiden und in der Katastrophe nicht weglaufen, sondern das Kreuz mittragen ist Teil der christlichen Nachfolge. Maria wird von uns auch deshalb als Königin verehrt, weil sie die innere Kraft hat, nicht wegzulaufen, sondern ihrem Sohn beizustehen als er entkleidet, misshandelt und getötet wird.

4. An die Auferstehung glauben

Christen ehren das Ansehen von Verstorbenen. Sie reden nicht leichtfertig schlecht über sie. Wir gedenken ihrer und schreiben oft den Namen über ihre Ruhestätte. Wir glauben, dass sie nun bei Gott sind, von seiner Liebe geläutert und erfüllt. Nichts kann sie aus dieser Liebe entreißen. Wir wenden uns im Gebet an sie und bitten um ihre Unterstützung.

5. Das Wohl der Kinder ins Zentrum stellen

Jesus, stellt die Kinder ins Zentrum der Aufmerksamkeit und erteilt den Jüngern eine bemerkenswerte Rüge. Die Seelen der Kinder brauchen unsere volle Aufmerksamkeit. Wir alle wissen, wie sehr Wunden der Kindheit für das ganze Leben prägen können. Das heftigste Urteil Jesu bezieht sich auf die, die die Kleinen zum Bösen verführen. Sexueller Missbrauch bedeutet für Kinderseelen oft das Schlimmste. Da ein Priester ein Zeugnis für Gottes Liebe geben soll, ist der Missbrauch noch schwerwiegender.

6. Nicht Personen richten, sondern Taten

Es gehört zur Schönheit unseres Glaubens, dass wir unterscheiden zwischen dem Urteil der Taten und der Person. Wir alle sind Kinder Gottes, wir alle haben die Berufung Licht in die Welt zu bringen. Wir wissen aber auch, dass uns das nicht immer gelingt. Wir bringen nicht nur Licht, wir bringen auch Schatten. Wir sind auch Sünder. Wir verurteilen nicht Menschen, sondern Taten. Jeder darf weiterhin das Licht im Herzen tragen, dass Georg Merettig ihm gebracht hat.

7. Er stürzt die Mächtigen vom Thron

Machtmissbrauch ist ein durchgängiges biblisches Thema. Alle Propheten brechen das Schweigen gegenüber den Amtsträgern und benennen Missstände. Keiner hat ein Recht auf Schweigen, wenn er Missstände erkennt. Schweigen kann auch Sünde sein. Der Brennende Dornbusch ist das Herzensbild der Propheten-Berufung. Wer das Leiden an sich heranlässt (Dornbusch) und innerlich dagegen aufbegehrt mit einem brennenden Herzen (Feuer), den ruft Gott zum Sprechen und Handeln (Moseberufung). Wir erleben vor unseren Augen das, was Maria im Magnificat besingt. “Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.”

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Thesen-Nr.
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Xxxx
2 Monate zuvor

Es macht mich zornig, in den Presseberichten immer wieder zu lesen, dass die angezeigten Tatbestände verjährt sind. Die Verjährungsfristen sind einfach viel zu kurz gehalten. Mit meinem persönlichen Bericht in diesem Chat, der nicht in dem Zusammenhänge mit G. M. steht, wollte ich im Grunde auch diesen Missstand verdeutlichen. Es kann Jahrzehnte dauern, bis Vorfälle aus der Kindheit einem Menschen bewusst werden. Das ändert aber nichts daran, dass die Erinnerungen dann, wenn sie einmal angestoßen sind, äußerst präzise sein können. Da müsste die Justiz von der Psychologie lernen.

Es ist davon auszugehen, dass die Missbrauchsdebatte der letzten Jahre bei vielen Betroffenen tief vergrabene Erinnerungen in Gang gesetzt hat. Die Veröffentlichung eines Falles vor Ort, wie es im Falle von G.M. in der Pfarrei geschehen ist, rückt das Thema nun ganz nah an die jetzt Erwachsenen heran, die in ihrer Kindheit in engerem Kontakt zu dem Priester standen. Für mich, auf meinem Erfahrungshintergrund, ist es total glaubwürdig, dass bei dem einen oder anderen einfach dieses große „Aha“ ausgelöst wird und dass bei diesen die Erinnerungen nun „purzeln“.

Es versteht sich von selbst, dass jeder gemeldete Fall einer genauen Überprüfung bedarf. Natürlich kann es auch Irregeleitete geben, die auf diesen Zug aufspringen. Aber das Instrumentarium für eine Überprüfung der Glaubwürdigkeit steht heute bereit. Ich vermute, dass die Setzung des geringen Verjährungszeitraumes seitens des Gesetzgebers auf der Annahme basiert, dass über einen noch längeren Zeitraum hinaus das Erinnerungsvermögen nicht mehr genau genug ist. Gerade das aber ist im Falle von Verdrängung und plötzlicher Bewusstwerdung oft nicht der Fall.

Ralph Schaper
3 Monate zuvor

Grundsätzlich finde ich es sehr gut, dass hier Raum zur offenen Diskussion gegeben wird.
Auch wenn ich der Überzeugung bin, dass sich der beschämende Missbrauch in der Kirche nicht nur auf Kinder beschränkt, sondern wie andernorts auch, Erwachsene im Abhängigkeitsverhältnis betrifft, finde ich Kapitel 5 die wichtigste These, um in der Zukunft diese gräulichen Taten zu verhindern. Ich würde allerdings die letzten zwei Sätze streichen, da sie zwar völlig richtig, aber nicht weiterführend sind. Statt dessen würde ich einen Satz wie den folgenden ans Ende stellen: „Wenn das Kindeswohl von allen Gemeindemitgliedern und -vorstehern zentrale Aufmerksamkeit erfährt, ist für Missbrauch kein Platz mehr und erst recht keiner für jahrelange Vertuschungen.“

Thesen-Nr.
5
Xxxx
3 Monate zuvor

Ein bisschen Klarstellung muss ich doch noch nachtragen, denn es ist eine Zeitensprung in meinem Erzählen, nämlich bei dem Absatz, der beginnt „In der Folge….“. Gemeint ist hier die Zeit, die auf das große „Aha-Erlebnis“ folgte. Schon zuvor auch hatten sich massive Lern- und Arbeitsstörungen sowie psycho-somatische Störungen gezeigt, die eine Therapie nahe legten.

Thesen-Nr.
5
Xxxx
3 Monate zuvor

Ich möchte aus eigener Erfahrung etwas zu den betroffenen Kindern sagen und damit allgemein die Leidensgeschichte verdeutlichen, die aus dem Missbrauch entsteht. Was ich mitteilen möchte, berührt das Thema Kirche zunächst nicht offensichtlich, denn es geht hier um sexuelle Gewalt in der Familie. Es geht auch nicht um Gewalt gegen mich selbst, sondern „nur“ um miterlebte sexuelle Gewalt. Und doch hat es auch mit Kirche zu tun, denn auch Kirche ist der Ort, in dem Betroffene damit leben. Da verstehe ich dich gut, Jutta.

Fast bereue ich es, in diesen Chat reingeschaut zu haben, denn nun sitze ich hier bis tief in die Nacht hinein und fühle mich innerlich gedrängt, aufzuschreiben. Es lässt mich nicht mehr los.

Es ist mir ein Anliegen, aufzuzeigen, in welche Tiefen des Unbewussten das Trauma der sexuellen Gewalt verdrängt werden kann, wie es dort wirkt und sich ausbreitet und welche erstaunlichen Wege das Leben dann doch eröffnen kann, damit es bewusst wird. Denn dass ist der Anfang für einen Aufbruch zu mehr Leben.

Ich selbst habe in der Nachkriegszeit im Alter zwischen fünf und acht Jahren bei beengtem Wohnen „nur“ sexuelle Gewalt (massives Bedrängen) meines Vaters gegenüber meiner Mutter miterlebt; und zwar nächtlich, vermutlich über Jahre. Das blieb damals bis weit in meine zwanziger Jahre völlig, in meinem Unterbewusstsein vergraben. Wirklich völlig. Bis dann in meiner Studentenzeit dies geschah: Eine sehr ähnliche Geräusch-Szene drang von meiner damaligen Zimmernachbarin her durch die dünne Wand zwischen unseren Studentenbuden. Da fiel es mir blitzartig wie Schuppen von der Seele und alles war auf einmal wieder da: „DAS war es!! DAS also!!!“ Es war ein gewaltiges „Aha!“, das wie ein schwerer Vorhang an mir herunterfiel. Von einer Sekunde auf die andere erklärte sich mir „alles“: mein ganzes verqueres Lebensgefühl – und nach und nach auch meine ganze schwierige Lebensgeschichte und innere Gefühlslage bis zu diesem Augenblick. Und dieses „Es“ von „Das war ES!“ war ein schreckliches, dunkles und doch faszinierendes Geschehen, ein Nicht-zu-Fassendes, das mich alle die Jahre in eine undefinierbare Mischung aus Angst und Unruhe, aber auch Erregung und Schuldgefühlen versetzt und nicht losgelassen hatte.
In diesem Moment des Bewusstwerdens war „die Szene“ von damals mir plötzlich in allen Einzelheiten wieder vor Augen, mehr noch in den Ohren.
Ich erinnere genau, wie ich als Kind nachts immer dann, wenn „ES“ geschah, innerlich aufschreckte und sich alles in mir zusammenzog: „Da ist es wieder“! und wie ich erstarrte und mich tot stellte – und doch angsterstarrt horchen musste. Jahrelang hatte ich damals als Kind nächtliche Angstattacken.

Ich nehme an, alles wäre mir niemals ins Bewusstsein gekommen, wenn nicht dieser eine Satz meiner bedrängten Mutter da gewesen wäre: „Xxxx (mein Name) ist wach!“. Damals erschrak ich, weil ich mich ertappt fühlte. Heute bin ich dankbar für diesen Satz, denn mein Name war gefallen. Zuvor war es mir in Nacht und Dunkelheit nicht einmal bewusst gewesen, dass es meine Eltern waren, die dieses dunkle, furchtbare Etwas ausgelöst hatten und dass ich es war, die es hörte. Durch den Namen wurde ich „Ich“, und als solche Teil des Geschehens. Nun verband es sich mit Personen: mit den Eltern und mir selbst. Aus etwas Vagem war Bestimmtes geworden.

Heute weiß ich, dass damals ein waberndes Schuldgefühl in mir entstand, weil ich etwas wusste und gehört hatte, was ich nicht wissen durfte. Bis heute noch weiche ich innerlich zurück in Situationen, wo ich etwas mitkriegen könnte, was nicht für mich bestimmt ist.

Wie soll auf diesem Hintergrund Pubertät gelingen? Und wie das Leben?

Als ich zur Schule kam, teilte meine erste aufmerksame Lehrerin (immerhin Lehrerin von 43 Nachkriegs-Erstklässlern! Respekt!) meiner Mutter ihre Sorge über mich mit, weil ich so sehr eingeschüchtert war. Meine Mutter verstand das nicht recht, denn zu Hause machte ich den Familien-Clown. Sie ging dann wohl mit mir zu einem Psychologen, aber dabei kam nicht viel heraus. Ich erinnere mich, dass ich dort ein Bild gemalt habe, aus dem er die sexuelle Fragestellung unschwer hätte herauslesen können. Tat er aber nicht. Eine Chance war verpasst.

In der Folge merkte ich, dass es ohne Therapie nicht weiterging. Ich fand einen Therapeuten meines Vertrauens (Tiefenpsychologe, Psychotherapeut). Im Gespräch und anhand von Träumen (viele Angstträume) konnte ich die Traumata meines Lebens anschauen und bearbeiten. Nur kam es gegen Ende der Therapie zu sexuellen Übergriffen seitens des Therapeuten, die eine Fortsetzung blockierten.

Worauf ich hinweisen möchte ist dies:
– Wenn es keine Ansprechpartner gibt und keine einfühlsame Person im Umfeld des Kindes, dann verschwindet „das dunkle Geschehen“ in unerreichbaren Tiefen. Und dort führt es ein Eigenleben und entfacht seine Störmanöver. Ohne aufmerksame und geschulte Erwachsene haben Kinder kein Instrumentarium, das ihnen hilft, ihre Erfahrungen zu „heben“ und zu deuten.

– Das Kind kann sich nicht artikulieren und wird von seiner Umgebung nicht verstanden. Es wird als „komisch“ angesehen, als „irgendwie gestört“. „Was ist mit ihr?“ Entsprechend infragegestellt und verunsichert ist dann sein Selbstgefühl.
Das Kind nimmt seine Erfahrung in seinem Lebensgefühl auf unterschiedlichen Ebenen mit durch sein Leben. Es merkt: irgendetwas stimmt nicht. Es weiß aber nicht, was das ist.

– Das Vertrauensverhältnis zu Erwachsenen ist tief gestört. Noch viel mehr natürlich das zu den Personen, die die Verursacher sind. In meinem Fall gab es bei den Eltern eine Tagseite und eine Nachtseite. Und das alles, ohne dass ich davon wusste (im Unbewussten also). Tags hatte ich einen ruhigen, sensiblen Vater. Was meine Mutter betrifft so ist mir heute klar, dass sie unsägliche Angst vor einer erneuten Schwangerschaft hatte, war doch schon die Schwangerschaft mit mir ein Risiko für sie. Sie war durch Hunger, Krieg und Flucht sehr geschwächt. Schon bei der 3. Schwangerschaft (mit mir) war ihr zur Abtreibung geraten worden.
Dieses relativ „unschuldige“ Dilemma einer Ehe war es also, das so weitreichende Folgen für mein Leben hatte. Wie vielen Ehepaaren ging es in der Nachkriegszeit wohl so und wie wenig Hilfe gab es für sie!

– Natürlich wird auf dem Hintergrund sexueller Gewalterfahrung die Pubertät eine Zeit unsäglicher Verkrampfung. Was mich betrifft, so ging ich – wie wohl viele Betroffene – in die innere Immigration, in eine Eigenwelt voll Literatur, nur gemildert durch Gespräche und Unternehmungen mit Freundinnen (dabei viel Schönes im Raum „Kirche“,) mit denen ich über alles sprechen konnte, nur nicht über das, was mich eigentlich verstörte, denn das war ja noch nicht in mein Bewusstsein gelangt.

– Schließlich will das Geschehene, wenn es denn einmal bewusst geworden ist, zur Sprache kommen. Es mischt sich ja immer wieder auch in so vieles ein, was ich im Heute lebe. Darüber sprechen: Bei den Freundinnen? Kein Problem. In der Therapie? s.o. Was aber machen Frauen in der Kirche mit einer solchen Thematik? Wie damit umgehen im Seelsorggespräch, in der Beichte? Ohne diesen meinen Hintergrund kann ich mich nicht verständlich machen. Sage ich es aber, so gehe ich ein großes Wagnis ein: Vertraut mir der Priester? Glaubt er mir? Versteht er mich? Anerkennt er meinen Versuch, ihm und Gott zu vertrauen? Oder verdächtigt er mich insgeheim, ich wolle mich wichtig machen? Ich würde Geschichten erfinden? Es könnte „Anmache“ sein? Leicht kommt auf schon vorhandenes Leid noch Leid obendrauf durch das Unvermögen des Zuhörenden.

Mir ist es passiert, dass ein Priester mir in einem seelsorglichen Brief geschrieben hat, er wünsche mir, dass ich nie „mit allen Wassern gewaschen“ sein möge. Schrieb er das vielleicht, weil er meinte, ich wäre das: „mit allen Wassern gewaschen? Wie sonst kommt er darauf? Auf mein eigenes Misstrauen gegen mich selbst und auf meine Schuldgefühle wegen dieser unangenehmen Thematik in meinem Leben wurde nun auch noch sein Misstrauen draufgepackt. Immer besteht die Gefahr, mit dieser Thematik verdächtigt oder abgelehnt zu werden, unwillkommen, lästig zu sein. Werde ich das niemals los? – Gott sei Dank gibt es inzwischen auch andere, positive Erfahrungen mit einfühlsamen, Wege eröffnenden Seelsorgern. Gott und diesen Menschen sei herzlich Dank!

Dennochist es ein bleibendes Problem, dass es in der Kirche immer Männer sind, die uns Frauen zuhören. Problem: Männerkirche. Das ist bekannt. Aber das geht so nicht! Das darf einfach nicht sein! Das möchte ich hier noch einmal ganz ausdrücklich und mit aller Entschiedenheit in Hinblick auf den synodalen Weg bekräftigen.

Ich denke, dass in dieser Art verletzte Menschen in ihrer inneren Not einen großen Durst nach der Heilkraft der Sakramente haben. Den Kranken, den Verletzten, den Kleinen sind sie ausdrücklich zugesagt. Kirche darf sie da nicht im Stich lassen, indem sie auf ihren männer- und machtdominierten Strukturen beharrt und ihnen den Weg schwer oder gar unmöglich macht. Es müssen neue Formen und Strukturen gefunden werden. Gott sei Dank sind wir gerade dabei, diesen Scherbenhaufen wegzuräumen.

Allen nah und fern, den Mädchen und Jungen, den Frauen und Männern, den Menschen im Krieg
und auf der Flucht, ihnen allen, die sexuelle und auch seelische Gewalt in noch viel schlimmeren Ausmaß als ich erlebt haben und gegenwärtig erleben, – nämlich hautnah an sich selbst – ihnen
binich von Herzen verbunden.

Thesen-Nr.
5
XYZ
Reply to  Xxxx
3 Monate zuvor

Ich frage mich nur, was diese ganzen Auslassungen mit der Diskussion der sieben Thesen zu tun haben, die im Zuge der Veröffentlichung rund um die Missbrauchstaten von G. M. entstanden sind. Story telling hat sicherlich seinen Platz, aber ob der hier ist, bezweifle ich.

Berthold
Reply to  XYZ
3 Monate zuvor

Ich sehe das hier anders. Xxxx hat einige Punkte in die Diskussion eingebracht die bedacht werden sollen. Dem Punkt das es Frauen in seelsorgerischer Tätigkeit benötigt möchte ich dabei herausstellen – ein aus meiner Sicht besonders wichtiger Punkt.

Xxxx
Reply to  XYZ
3 Monate zuvor

Es stimmt, mein Beitrag hat nicht den unmittelbaren Bezug zu den Missbrauchsvorwürfen gegen Georg Merettig. Ich wollte aber
– als Zeugin sexueller Gewalt den Opfern einer solchen eine Stimme geben,
– die Dimension ins Bewusstsein bringen, die eine solche Traumatisierung im Leben der Betroffenen hat;
– aufzeigen welche Schwierigkeiten im Raum Kirche ihnen in diesem Zusammenhang zusätzlich entstehen können
– und welche Verantwortung für Kirche daraus erwächst.

Gerade beim Thema der Verantwortung würde ich gerne ein Nachdenken über Veränderungen in der Kirche in Gang setzen: Wie könnte man bei den bestehenden Verhältnissen in der Kirche die Seelsorg- und Beichtpraxis und das Spenden von Sakramenten so modifizieren, dass die Betroffenen spüren, dass sie vorkommen im Bewusstsein von Kirche und dass sie einen sorgsamen Umgang erwarten dürfen? Da geht es durchaus auch um Änderung von Strukturen. Dazu hätte ich Ideen und Anregungen und würde mich freuen, darüber in Austausch zu kommen.

Um ein Beispiel zu nennen: Vor einigen Jahren, als Terror und Krieg in Syrien auf dem Höhepunkt waren, gab es in St. Petrus einen Gottesdienst mit der Möglichkeit für alle diejenigen, bei denen eigene schwere Kriegserlebnisse neu aufgebrochen waren, sich einzeln segnen zu lassen. In dieser Handlung lag wirklich ein Segen – gerade auch in der Verbindung von Einzelzusage und Gemeinschaft. So stelle ich mir Kirche vor.

Ich habe von Erlittenem und Geheiltem erzählt. Erlittenes Leben ist keine Story. Das Wort „story telling“ verletzt mich.

Matthias Eggers
Reply to  Xxxx
3 Monate zuvor

Danke Frau Xxx für die konstruktive Erwiederung. Mich macht gerade nachdenklich, dass ich selbst einmal zusammen mit einer Angehörigen einer Betroffenen von sexualisierter Gewalt darauf hingewiesen habe, wie wichtig „storytelling“ ist. Ich verstehe den Begriff nicht abwertend. Es gibt ja sogar den Begriff: „Therapeutic storytelling“ Danke für Ihr Austausch und Gesprächsangebot. Bittel lassen Sie mir Ihre Mailadresse zukommen 🙂

Xxxx
Reply to  Matthias Eggers
3 Monate zuvor

Das wusste ich nicht, Pfarrer Eggers, dass „storytelling“ ein Fachbegriff ist. Ich finde ihn nicht glücklich. Mir klingt in dem Wort „story“ zu viel von „Geschichtchen“, „Histörchen“… an, die jemand erzählt oder die er/sie macht. Warum spricht man nicht einfach vom Aussprechen oder Erzählen des Erlebten? Das klingt nicht so nett, ist aber weniger missverständlich. Aber gut, das ist mein Empfinden…

Danke auch fürs gute Aufnehmen meines Beitrag und das Gesprächsangebot bezüglich dessen, was mir so für den Umgang von Kirche mit den Betroffenen in den Sinn gekommen ist.

Thesen-Nr.
5
Matthias Eggers
Reply to  Xxxx
3 Monate zuvor

Liebe Xxxx,

haben Sie herzlichen Dank für diesen sehr berührenden und tiefgehenden Beitrag eigener Erfahrungen. Für mich ist Ihr Erfahrungsbericht und die Reflexion darüber eine wichtige Vertiefung dessen, was insbesondere in These 5 thematisiert ist: Das Wohl der Kinder ins Zentrum stellen.“ Tatsächlich brauchen viele Menschen „Sprachräume“ um die Erlebnisse der eigenen Kindheit anschauen, annehmen und verarbeiten zu können, um vielleicht so etwas wie Heilung erfahren zu können. Sie schreiben: „Ohne aufmerksame und geschulte Erwachsene haben Kinder kein Instrumentarium, das ihnen hilft, ihre Erfahrungen zu „heben“ und zu deuten.“
Mit Ihrer berechtigten Kritik am Ende wird einmal mehr deutlich, dass wir aufbrechen müssen Um noch mehrsolche wirklich heilsamen Lebens- und Erfahrungsräume zu schaffen“
Die überkommene Struktur ist oft hinderlich. Diese Analyse teile ich.
Tatsächlich habe ich aber solche heilsamen Räume in meiner Kindheit und Jugend innerhalb der Kirche auch gefunden. Ein Beichtgespräch war damals ein besonderes Schlüsselerlebnis für mich.

Thesen-Nr.
5
Xxxx
Reply to  Matthias Eggers
3 Monate zuvor

Ja, ich auch. Ich habe auch solche heilsamen Erfahrungsräume in der Kirche kennengelernt. Das ist vielleicht zu kurz gekommen in meinem Bericht, weil ich auf die Problematik fokussiert war.
Ich bin sehr dankbar dafür. Sonst wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Gerade auf diesem Hintergrund kann ich nachdenken über weiter gehende Veränderungen; es ist ja nicht überall St. Petrus 😉 Es sollte verbindliche Angebote in neuer Form in Pfarreien geben, auf die Betroffene zurückgreifen können. Was davon möglich ist, weiß ich nicht. Aber das lässt sich ja klären.

Thesen-Nr.
5
Sonja Fiedler
3 Monate zuvor

Rein von der Ansprache finde ich die sieben Thesen unnötig kompliziert. Aber es gibt ja sehr viele Kommentare auf der Website, sodass offensichtlich viele Engagierte durchaus damit klar kommen.
Bei These 4 wird mir ein bisschen unwohl: Ich möchte mich ganz bestimmt nicht an jemanden im Gebet wenden, der Missbrauch begangen hat, auch nicht wenn er tot ist. Und ich möchte eigentlich auch nicht, dass das andere tun. Ich kann den Missbrauch auch nicht verzeihen. Darum kann ich auch These 6 nicht ganz nachvollziehen. Die Tat ist immer Teil der Person. Es war ja nichts, was im Effekt aus Versehen unglücklicherweise einmal geschah. Wer so veranlagt ist, muss sich helfen lassen. Wer das nicht tut und „Schatten bringt“, wie er es nennt, kann noch so viel Licht bringen, da kann ich nicht nachvollziehen, wie man sagten kann „Wir verurteilen nicht Menschen, sondern Taten“. Wer ist jetzt wir? Die Kirche? Das wäre bedenklich. Gottes Wege hingegen sind sowieso bekanntlich unergründbar und wir können nur spekulieren, dass da vielleicht ein Verzeihen möglich ist, dass so groß ist, dass wir es uns nicht vorstellen können.
Im Bodenpersonal gibt es in der Tat tiefe Abgründe. Die Kirche war nie so heilig wie sie gern gewesen wäre. Aber sie ist jedenfalls auf einem besseren Weg, da heute mit allem offener umgegangen wird, innerhalb und auch außerhalb der Kirche.

Sonja Fiedler

Thesen-Nr.
4, 6
Matthias Eggers
Reply to  Sonja Fiedler
3 Monate zuvor

Liebe Frau Fiedler,

haben Sie herzlichen Dank für Ihren Beitrag. Vielleicht spiegelt sich in der von ihnen beschriebenen Kompliziertheit auch etwas von der vielschichtigen Situation wieder, in der sich die Pfarrei gerade befindet. Eine Position, die auf dieser Seite gar nicht benannt wird, die mir nach der Veröffentlichung aber als erstes und dann auch immer wieder entgegengehalten wurde, war die Frage: Wie kann man über einen Verstorbenen so reden, wenn er sich doch nicht verteidigen kann? Dieser Frage möchte ich nicht einfach mit Unverständnis begegnen auch wenn ich sie nicht teile. Tatsächlich empfinde ich das sehr starke Mitempfinden, mit einem Verstorbenen als unangemessen, Mal ganz abgesehen davon, dass mögliche Leidtragende gar nicht im Blick sind. Mitunter erscheint es mir im Angesicht unserer christlichen Hoffnung als geradezu widersinnig, mich mit dem Verstorbenen zu solidarisieren über den jetzt so viel schlechtes geredet wird. Mit These 4 habe ich meine Haltung gegenüber dieser Anfrage beschrieben. Sie hilft mir klar zu bleiben und Unrecht zu benennen. Von einem Opfer diese Haltung einzufordern oder auch nur zu erwarten würde ich tatsächlich, als zynisch bezeichnen. Aber es gibt ja nie nur eine innere Haltung. Es gibt auch die innere Haltung der Solidarität mit Leitragenden und die der Weisheit. Tatsächlich werden die Haltungen, die die Thesen beschreiben unverständlich, wenn man sie als ausschließlichen moralischen Anspruch liest. Hier ist Korrekturbedarf um keine Missverständnisse entstehen zu lassen.

Thesen-Nr.
4
Günter Tresp
3 Monate zuvor

Stellungnahme:
Ich bedaure es sehr, doch leider kommt es immer wieder vor, dass Verstöße vorwiegend erst nach dem Tod des Betroffenen publik werden.
Durch den Tod mag dem Betroffenen bei Lebzeiten Schmach und Schande erspart geblieben sein, aber eine Entlastung seinerseits durch aufrichtige Stellungnahme ist dann leider nicht mehr möglich.
Menschen mit derartigen Neigungen haben den Ansatz vielleicht mit in die Wiege gelegt bekommen. Kein normal denkender Mensch wird sich zu solch abartigen Praktiken hinreißen lassen. Ist Pfarrer Merettig ein Einzelfall? Nein, im Gegenteil, inzwischen wurden und werden immer wieder Fälle aufgedeckt.
Gottseidank hat sich ein Wandel im Bereich der Geistlichkeit vollzogen, nun doch für Aufklärung zu sorgen. Doch leider fallen Einzelfälle auf das Gesamtbild der Geistlichkeit und Kirche zurück. Ein Vergleich mit einem Fußballspiel sei gestattet. Durch individuelle Fehler einzelner Spieler wird die gesamte Mannschaft bestraft.
Unverzeihlich und abscheulich ist, kürzlich bekannt geworden, die Verhaltensweise in einem Kloster, in dem Nonnen junge Menschen den Priestern zu sexuellen Handlungen zugeführt haben sollen .Dieses Leid trifft nicht nur die Betroffenen und Angehörigen, sondern wirft ein ganz schlechtes Licht auf die Organisation und Aufsicht der Kirchenverantwortlichen.
Aus meiner Sicht hatte die Kirche spätestens im 16.Jahrhundert durch ihre weltlichen Machtansprüche, unterstützenden Kriege und Ausbeutung der Menschen die Existenz als Nachfolgekirche Jesu und der Apostel verwirkt .Doch was jetzt aufgedeckt wird ist schamlos und vom Verstand her nicht mehr zu bewältigen. Inzwischen tue ich mich schwer an die „heilige katholische Kirche „ zu glauben. Was ist daran noch heilig? Ein Begriff, der bisher für mich einen besonderen Stellenwert hatte.
Ich habe in meinem Berufsleben regelmäßig bei der Beurteilung von Unfällen Ursache und Schuldfrage zu bewerten gehabt, wobei die Schuldfrage nicht immer leicht zu definieren war. Ist Pfarrer Merettig schuldig? Bestimmt hat er seinen Beruf(Berufung) geliebt und vielen Menschen Seelenreichtum vermittelt. .Ein Toter hat den Vorteil, dass sich Böses in den Gedanken der Menschen schneller vergessen macht als Gutes. Insofern bleibt für mich als Christ letztlich zu sagen: “Ruhe in Frieden!“.

Günter Tresp

Thesen-Nr.
2, 4, 5, 7
Christiane Kreiß
3 Monate zuvor

Zunächst einmal vielen Dank für die bisherigen Beiträge, die ich in ihrer Gesamtheit als Ermutigung empfinde, dass wir mit der Veröffentlichung, einen ersten richtigen Schritt getan haben. Vor allem zeigen sie schon jetzt, wie vielschichtig dieses Thema ist und dass alle Anfragen und Gedanken ihre Berechtigung haben.

Matthias und ich haben uns in den letzten Wochen im Hinblick auf dieses Thema immer gut abgesprochen und sind den nächsten Schritt immer in Absprache miteinander gegangen. Die vorliegenden Thesen hat Matthias allein formuliert, auch dafür haben wir uns bewusst entschieden. Wir wollten einen Dialog anstoßen und es sollte sich nicht um ein fertiges, ausgewogenes, sich in alle Richtungen absicherndes Statement handeln.

Auch wenn ich also die Thesen inhaltlich im Grund unterstütze, gibt es doch einige Formulierungen, die ich nicht verwendet hätte:

„Die Wahrheit macht euch frei.“ Diesen Satz würde ich in unserem Zusammenhang nicht verwenden. Wahrheit ist ein großes Wort. Für uns wird es zunächst einmal darum gehen, den Sachverhalt sorgfältig zu ermitteln. Das wird sehr mühevoll sein: es muss ein langes Priesterleben angeschaut werden, d.h. dass die Vorfälle lange zurückliegen, und Georg Merettig kann sich selbst nicht äußern. Die ganze Wahrheit werden wir nicht erfahren. Ich halte es für möglich, dass wir uns ein recht genaues Bild von den verschiedenen Sachverhalten machen können. Aber ob uns das frei macht? Ich glaube eher, dass es uns zum Handeln zwingt.

Unter der These 5 steht: „Da ein Priester ein Zeugnis für Gottes Liebe geben soll, ist der Missbrauch noch schwerwiegender.“ Warum eigentlich? Ich meine, dass diese Aussage Opfern, die nicht von einem Priester, sondern von ihrem Vater, ihrem Erzieher oder Lehrer missbraucht wurden, nicht zugemutet werden darf. Gerade die Liebe der Eltern zu ihren Kindern sollte doch ebenfalls ein Zeugnis für die Liebe Gottes sein und ich kann einen Missbrauch in dieser Beziehung nicht als weniger schwerwiegend empfinden. Das Gleiche gilt für Lehrer und Erzieher. Jeder Missbrauch wiegt gleich schwer. Vielleicht zeigt sich in der obigen Aussage etwas von der Überhöhung des Weiheamtes?

Und schließlich steht unter der These 7 der Satz: „Keiner hat das Recht auf Schweigen.“ Das kann ich in dieser Absolutheit nicht sagen. Um es gleich klarzustellen: Ich meine nicht, dass Personalchefs, Generalvikare oder Bischöfe darüber schweigen dürfen, was sie über sexuellen Missbrauch aus ihren Reihen wissen. Aber die Betroffenen haben das Recht zu schweigen. Sie entscheiden, ob sie von dem ihnen widerfahrenen Unrecht erzählen wollen. Und auch für Zeugen gibt es zumindest strafrechtlich ausnahmsweise ein Zeugnisverweigerungsrecht. So wichtig die Aufklärung ist, dürfen wir nichts Unmenschliches verlangen.

Thesen-Nr.
1, 5, 7
Nicole S.
3 Monate zuvor

Das hieße dann für die Opfer von (auch schwerstem) sexuellem Missbrauch, dass sie das Urteilen über die mitunter sadistischsten Taten („Schatten“) von der Person des Täters trennen können müssen – wenn sie denn Christen sind.

Unterscheiden die Opfer zwischen der Verurteilung der Taten und der des Täters nicht, erkennen sie folglich die Schönheit des Glaubens nicht und werden letztendlich selbst schuldig, weil sie über ihre Täter richten!? Das grenzt nicht nur an Schuldumkehr.

Diese These kann nur stehen bleiben, wenn du sie einem Opfer ins Gesicht sagen kannst.

Thesen-Nr.
6
Jutta
Reply to  Nicole S.
3 Monate zuvor

Die These Nr 6 kann erst geleistet werden, wenn Ich die Gnade der Vergebung und der Unterscheidung erfahren habe! Das ist ein Prozess der Aufarbeitungen,und der Bereitschaft dazu. Es geschieht und kann nicht gemacht werden…. und, ich sehe es eher für die, Nicht-Betroffenen, die den „Täter“ richten, vielleicht sogar, ohne ihn wirklich zu kennen….
Das sagt jemand, der Missbrauch mit 11 Jahren erlebt hat u zwar vom eigenen Vater…

Christiane Kreiß
Reply to  Jutta
3 Monate zuvor

Das ist wirklich eine sehr schwere Frage. Es ist sicher eine der größten Herausforderungen, mit einem erlebten Unrecht umzugehen. Das ist um so schwerer, je größer das begangene Unrecht ist. Das Tragische ist, dass man begangenes Unrecht nicht ungeschehen machen kann, auch nicht durch eine Verurteilung des Täters. Für die Betroffenen bleibt das Erlebte, die Wunde bzw. die Narbe. Ob die „Schönheit“ ds Glaubens da helfen kann? Für mich scheint da Vergebung bzw. die Aufforderung, auch das Gute im anderen zu sehen, eine sehr große Herausforderung zu sein.

Vielleicht darf ich einfach meine juristische Sichtweise dazu geben. Gegenstand eines Strafverfahrens ist immer nur die Tat. Um diese insgesamt bewerten zu können, ist die Sicht des Betroffenen unendlich wichtig. Die Persönlichkeit des Täters aber wird allenfalls bei der Schuldfrage oder der Strafzumessung berücksichtigt. Das klingt jetzt vielleicht sehr nüchtern, aber dahinter steckt doch die Einsicht, dass wir nur über die Tat richten können. Es gibt mit dem Strafgesetzbuch einen Maßstab, der festlegt, welche Taten Unrecht sind. Richter können darüber urteilen, dass Taten gegen diesen Maßstab vertsoßen, ein Urteil über den Menschen können sie nicht fällen.

Thesen-Nr.
6
Nicole S.
Reply to  Christiane Kreiß
3 Monate zuvor

Vor dem Richter (dem irdischen oder dem göttlichen) steht dann schon der Täter und das kann zumindest Genugtuung für das Opfer sein.
Häufig genug kann das Ziel der Aufarbeitung nicht die Vergebung sein, sondern das reine Überleben (d.h. das Leben mit den Folgen der Taten) und da hat jedes Gefühl seinen berechtigten Platz – wenn es irgendwann Vergebung ist, gut; wenn nicht, genauso gut. Das ist das Recht der Opfer!
Viel zu viele haben diese Verbrechen nicht überlebt.

Thesen-Nr.
6
Christiane Kreiß
Reply to  Nicole S.
3 Monate zuvor

Du hast völlig recht! Vor dem Richter muss der Täter seine Tat verantworten. Und ich stimme dir auch zu, dass die Opfer entscheiden, ob sie vergeben oder nicht.

Thesen-Nr.
6
L.H.
Reply to  Nicole S.
3 Monate zuvor

Danke Christiane, dass du das so beschreibst. Das Opfer (und ggf die betroffenen Angehörigen) entscheiden über Vergebung, alles andere wäre anmaßend. Tat und Täter will ich nicht trennen. Ja, wir verurteilen die Straftat, aber ohne den Menschen hätte diese gar nicht erst stattgefunden. Wo soll ich da die Grenze ziehen?
Wir schreiben immer, was das Opfer so tun könnte – also Vergebung oder nicht.
Was erwarteten wir denn als Kirche von den Tätern? (In diesem Fall natürlich nichts mehr……) Darüber lese ich hier sehr wenig……

L.H.
Reply to  Nicole S.
3 Monate zuvor

Danke Nicole für diese klaren Worte. Als ich die These Nr. 6 gelesen habe, habe ich meine Augen nicht getraut. Das ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer und deren Angehörigen, denn auch diese Menschen leiden. Zum Glück ist es nur eine These – und diese sollte schleunigst verschwinden. Was hier zwischen den Zeilen von den Opfern verlangt wird ist eine Zumutung!

Thesen-Nr.
6
Matthias Eggers
Reply to  L.H.
3 Monate zuvor

Liebe L.H. ,

tatsächlich muss es hier eine Klärung geben um Missverständnissen vorzubeugen. Wir haben noch keinen Modus vereinbart, ob und wie sich die Diskussion auch in der Formulierung der benannten Thesen niederschlägt. Für mich mich als einer der Handelnden und denjenigen, die diese Veröffentlichung mit eingeleitet hat. Ist diese Haltung eine wichtige Unterscheidungshilfe gewesen.
Ich will nicht Richter sein über Georg. Das entlastet mich und lässt mich klar sein gegenüber seinen Taten.
Ein moralischer Anspruch gegenüber Leidtragenden lässt sich daraus führ mich nicht ableiten.

Thesen-Nr.
6
Matthias Eggers
Reply to  Nicole S.
3 Monate zuvor

Liebe Nicole,

auch hier zeigt sich, dass die Thesen zunächst meine Haltung als Pfarrer in der jetzigen Situation beschreiben. Insbesondere angesichts der mir entgegengebrachten Anfragen und Vorwürfe, aber auch Not der Menschen, die Georg Merettig sehr gut kannten und ihm viel verdanken. Ich habe hier zunächst meine Haltung transparent gemacht und finde sie auch diskussionswürdig.
Von einem Opfer diese Haltung einzufordern oder auch nur zu erwarten würde ich tatsächlich, als zynisch bezeichnen. Aber es gibt ja nie nur eine innere Haltung. Es gibt auch die innere Haltung der Solidarität mit Leitragenden und die der Weisheit.
Ich würde sie gegenüber einem Opfer nur in diesem Sinne benennen.
In manchen Situationen, gerade auch bei Missbrauch im familiären Kontext zeigt sich doch, wie schlimm die Verwebung von furchtbaren Taten von Menschen, die man doch eigentlich liebt, auf die Seele wirkt. Auch hier könnte es vielleicht eine Hilfe sein Tat und Person zu unterscheiden. Aber das darf ebenfalls nie als moralsicher Anspruch formuliert oder erwartet werden.

Thesen-Nr.
6
Nicole S.
Reply to  Matthias Eggers
3 Monate zuvor

Lieber Matthias,
als deine Haltung und Orientierung als Pfarrer kann ich persönlich die These auch entsprechend als Entlastung lesen. Da sie aber mit „christliche Hetzensbildung“ und nicht mit „Gedanken eines Pfarrers“ überschrieben ist, kann sie in diesem Sinne sehr missverständlich ankommen – eben je nachdem, welche Perspektive angelegt wird (und das kann so auch die der Betroffenen sein).

Thesen-Nr.
6
Detlef P.
3 Monate zuvor

Liebe Christiane,
Lieber Matthias,

Nun ist ein großes Problem, was wir bislang aus sicherer Entfernung beobachtet und ggf. kommentiert haben, in unmittelbare Nähe mitten in die Pfarrei vorgedrungen. Ich war erschreckt. Ich habe diesen Priester gekannt. Eines der größten Probleme der kath. Kirche hat auf einmal Gesicht und Stimme bekommen.
Um es als erstes zu sagen, ich finde es großartig, wie Ihr beide euch in die Öffentlichkeit gestellt habt (Ich habe das im Lievestream aus Dorstadt gesehen) und Transparenz hergestellt habt. Ich halte das für völlig richtig und das wäre so auch schon vor Jahrzehnten und in der ganzen Kirche richtig gewesen.
Beeindruckt hat mich die Deutlichkeit, mit der Du Matthias einer Rückmeldung entgegengetreten bist, die auf die Bedeutung der Unschuldsvermutung hinwies.
Und wenn die Staatsanwaltschaft Braunschweig auf Nachfrage mitteilt, dass ein Ermittlungsverfahren gegen Pfarrer Merettig 2012 wg. Verjährung eingestellt wurde, so entspricht das der weiltlichen Rechtslage und bedeutet, dass eine evtl. Verurteilung nicht mehr möglich war, aber ist eben auch ganz sicher nicht der Beweis einer Unschuld. Ich hätte große Sympatien dafür, wenn die derzeitige Verjährung von 10 Jahren nach dem 18. Geburtstag des oder der Betroffenen zugunsten einer längeren Frist vom Gesetzgeber verlängert oder gar aufgehoben würde, ähnlich wie das in den 70er Jahren für Mord passiert ist, weil man verhindern wollte, dass der milionenfache Mord in der Nazizeit verjähren konnte.

Nun hast Du 7 Thesen veröffentlicht, die deutlich in den Zusammenhang mit der Mißbrauchskrise gestellt sind. Deswegen ist es bestimmt gewollt, diese auch vor unserem derzeitigen besonderen Hintergrund zu lesen und darüber nachzudenken.
Das habe ich getan.
Die Wahrheit macht euch frei.
Ich halte es für richtig hin- und nicht wegzuschauen. Wäre Mißbrauch in dem Umfang, wie er derzeit kirchenweit zum Vorschein kommt möglich gewesen, wenn alle hingeschaut hätten? Wenn viele gesprochen hätten und nicht geschwiegen und die Betroffenen mindestens ganz schäbig alleingelassen hätten, um der Ehrenrettung von Geistlichen willen? Nein, vermutlich nicht
Das muß sich ändern und ich nehme wahr, dass es sich ändert und dafür seid ihr ein gutes Beispiel.
Ich habe die Hoffnung, dass sich auch andere in der Kirche daran ein Beispiel nehmen.

Leidtragende in den Blick nehmen
Das finde ich uneingeschränkt richtig. Eine Institution und deren Vertreter müssen die eigenen hohen und höchsten moralischen Ansprüche, die aus der heiligen Schrift abgeleitet werden auch und im Besonderen gegen sich selbst gelten lassen. Dass dies offensichtlich in ganz besonders verwerflichem Rahmen über Jahrzehnte nicht passiert ist, bedarf der schonungslosen Aufklärung damit es aufhört! Böse wäre es jetzt zu sagen; Die Botschaft höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Da gibt Kardinal Wölkie aus dem Erzbistum Köln den großen Aufklärer, gibt ein Gutachten in Auftrag, dieses wird vorgelegt und nicht veröffentlicht. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Kann man dieser Kirche noch trauen? Vielleicht schon, denn es regt sich Widerstand aus dem Diazösanrat des Bistums Köln. Das ist zumindest ein Anfang.

In der Katastrophe nicht weglaufen
Dieser Apell ist richtig und auch zu diesem Zeitpunkt richtig. In Zeiten, in denen der Kirche die Mitglieder wirklich weglaufen, sicher viele, weil es sich steuerlich besser darstellen läßt, oder aus anderen sachfremden Erwägungen heraus, wird es aber auch Katholiken geben, die vom Versagen der (Amts) kirche tatsächlich so erschüttert sind, dass ein Austritt das einzig möglich Protestmittel darstellt. Es wird wichtig sein diesen Menschen und all denen die davor stehen sich abzuwenden klare Zeichen durch klare Handlungen zu geben. Wenn Vertrauen wieder aufgebaut werden kann, dann nur durch sehr deutliche vertrauensbildende Maßnahmen. Diese sind Offenheit, Transparenz und konsequentes Handeln.
Der säkulare Staat setzt durch, dass Menschen, die sich des Verbrechens eines Kindesmißbrauches schuldig gemacht haben, bestraft werden, und ggf. Ihren Beruf auch nicht mehr ausüben dürfen, wenn sich daraus Gefährdungen für Kinder ergeben.
Was hat die katholische Kirche getan? Das geht so garnicht und das bedarf sofortiger Änderung, auch wenn, oder besser gerade weil es sich um Priester handelt oder gehandelt hat.
Es kommt daher meines Erachtens jetzt zum Schwure: Ist die Kirche noch vertrauenswürdig?
Matthias Eggers und Chritiane Kreiss sind auf dem richtigen Weg, aber wird das reichen auf dem langen Weg nach Rom?.

An die Auferstehung glauben
Mit diesem Leitsatz habe ich nun doch erhebliche Schwierigkeiten und zwar aus dem Zusammenhang. Ich glaube an die Auferstehung und auch an das Ewige Leben, was gleich danach kommt, nicht nur im Glaubenbekenntnis. Tatsächlich denke ich oft an die zahlreichen Menschen die ich gekannt habe und die mir vorangegangen sind. Sehr viele davon halte ich in Ehren und weiß, daß Ihnen Ihre Sünden vergeben werden.
Nun also Deine Aufforderung, ich überzeichne bewußt, Pfarrer Merettig in mein Gebet einzuschließen und Ihn um Unterstützung für mich zu bitten.
Das ist mit Sicherheit theologisch begründbar und damit ich jetzt nicht wegen erwiesenem Unglauben exkommuniziert werde, will ich es mal so sagen: Darauf wäre ich in diesem Zusammenhang nicht gekommen, ich hätte das nicht aufgeschrieben und ich werde damit vermutlich so große Schwierigkeiten haben, dass es am Ende nicht geschehen wird.
Ist es richtig in diesem Zusammenhang an unsere Christenpflicht zu erinnern, dass nicht schlecht über die Toten geredet werden soll und dass ihnen alle Sünden vergeben worden sind und daß wir sie um Unterstützung anrufen sollen. Ich meine nein, weil es ablenkt von der eigendlichen Thematik.

Eigendlich sollte jeder wissen, dass jeder Mensch nicht nur gut oder nur schlecht ist und von einem Betroffenen weiß ich, dass auch die Mißbrauchstäter ganz viel Gutes in sich haben können. Aber jetzt in diesem Zusammenhang zu schreiben: Er ist tot, Redet nicht schlecht über ihn, seine Sünden sind ihm doch längst vergeben…..
Das bleibt mir im Halse stecken. Das kann ich nicht runterschlucken. Ich weiß, dass ein „Schwamm drüber, er ist doch schon tot,“ ganz gewiss nicht eure Sache ist, aber kann es nicht so verstanden werden?,

Ich diesem Zusammenhang habe ich meiner Frau die Frage gestellt, was denn wäre, wenn Pfarrer Merettig nicht in 2019 gestorben wäre und noch leben würde? Meine Frau war erbost und fragte mich, was ich denn damit sagen wolle.
Eine böse Unterstellung an Matthias und Christiane? Sicher nicht!Eher das Interesse daran zu wissen, ob der Aufbruch hier und anderswo schon kräftig genug wäre dem Bösen tatsächlich ins Gesicht zu sehen und dann eben nicht zu sagen: Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein… sondern Transparenz und Offenheit und Konsequenz zu leben.

Die Amtskirche entwickelt historisch eine Beharrlichkeit des Festhaltens an tatsächlich völlig falschen Ansichten und Handlungsweisen, dass man sich leider schon kritische Fragen stellen muss.

GAlileo wurde von einem Kirchengericht der Gotteslästerung angeklagt und verurteilt. Er hatte bewiesen, dass die Erde eine Kugel ist, was damals im Widerspruch zur Lehrmeinung der Kirche stand. Erst Ende des 20, Jahrhunderts wurde er rehabilitiert.

Hoffentlich geht es beim Mißbrauchsproblem schneller.

Das Wohl der Kinder ins Zentrum stellen

Ich habe erwachsene Kinder und sie sind zusammen mit meiner Frau mein Lebensmittelpunkt.
Wir haben sie in Ihrer Jugend völlig bedenkenlos der Kirche in Ferienfreizeiten, Kommunionvorbereitungen Firmvorbereitungen anvertraut. Anvertraut mit dem Vertrauen in die Sicherheit der Kirche. Mit dem Wissen von heute schaudert es mich.

Das zeigt vielleicht wie wichtig Matthias deutliche Aussagen sind was hier durch Fehlverhalten Einzelner und Versagen der Insitution kaputtgegangen ist. Vertrauen.
Ich hoffe, dass es der Institution Kirche gelingt durch beherztes Handeln hier Boden wiedergutzumachen.

Nicht Personen richten, sondern Taten
Das fällt schwer.
Ist es nicht der Täter, der Mensch, der trotz vielleicht vieler guter Seiten eine schlimme Tat begeht?. Ist es richtig, die Tat des Menschen zu verurteilen und gleichzeitig den Menschen von der Tat zu trennen?.“ Er ist gut, er ist ein Kind Gottes, was hat er mit der Tat zu tun, die wir zwar verurteilen aber sonst nicht an den Menschen heranlassen“. Wird das der Sache gerecht?.
Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein…….Niemand mehr da, dann geh und sündige fortan nicht mehr.
Eine Vorstellung mit so viel Trost. Aber was, wenn weiter gesündigt wird. Wenn dem ersten Verbrechen des Kindesmißbrauchs ein zweites und ein drittes folgt. Wenn es nach der Versetzung an eine andere Wirkungsstätte einfach weitergeht.
Ist dann das christliche Modell der Vergebung von Sünden ein vertretbares Handlungsmodell.
Was passiert mit den Leidtragenden dieser Verbrechen?
Mir gelingt es nicht die theologische Theorie, unseren Glauben, mit dem meines Erachtens notwendigen Handeln angesichts der Fratze des Bösen in Form von Mißbrauch in unserer Kirche durch Kleriker in Einklang zu bringen.

Er stürzt die Mächtigen vom Thron

Ich habe das Magnificat so oft im Chor gesungen und immer war eine schöne Stelle Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen Eine schöne Vorstellung. Das Ende von Machtstrukturen, Ungerechtigkeiten und die Niedrigen werden wieder gehört.

Ich denke, dass ein Abbau von Macht, ein entschlossenes Entgegentreten im Falle von Machtmisbrauch unserer Kirche helfen könnte zu genesen. Der Papst hat in einer Ansprache an seine Kardinäle von schlimmen Krankheiten gesprochen, die unsere Kirchen heimsuchen, er hatte sich direkt an Kardinäle gewandt aber ich glaube es wäre angemessen den Bogen weiter zu spannen mir seiner Kritik. Wie schwer tut sich die Kirche mit wirklicher Beteiligung von „Laien“ den Nichtklerikern, den Menschen 2. Klasse in kirchenpülitischen Zusammenhängen.
Und wir müssen nicht nach Rom schauen, wir müssen auch nicht nach Köln schauen wir können in Wolfenbüttel bleiben. Ich habe aus meiner langen Zeit als Kirchenvorstand die Erkentnis mitgenommen, wie weit verfaßtes Kirchenrecht von der gelebten Praxis abweichen kann. Einsame Entscheidungen des Pfarrers wurden zum Teil nicht einmal als Problem wahrgenommen, der Pfarrer ist eben der Chef.

Auch das mag sich theologisch aus der heiligen Schrift vermutlich mühelos herausinterpretieren lassen. aber ist es richtig mit den Gläubigen, mit dem Kirchenvolk so umzugehen?

Damit rede ich ganz sicher nicht basisdemokratischen Ansätzen das Wort, aber gewählten Vertretern der Gremien die Entscheidung über Kirchenangelegenheiten einmal die Entscheidung zu überlassen, wäre schon ein Anfang.

Das hört sich jetzt ganz dramatisch an. Mit dem Pfarrer, den wir seit 14 Jahren haben, habe ich das in den allermeisten Fällen ertragen können, aber die Strukturen sind da auch für Pfarrer, die ganz anders ticken können. Diese Machtfülle ist ein Problem.

So halte ich es für eine sehr positive Entwicklung in unserere Pfarrei, das mit Christiane Kreiß eine Gemeindeleitung berufen wurde, die Verantwortung trägt die vorher ausschließlich dem Pfarrer zukam- Ich bin sicher, dass Sie sich Gehör verschafft und etwas dazu beiträgt, die übergroße Verantwortung und Machtfülle auf mehr Schultern zu verteilen. Dazu gehört Mut unseres Pfarrers und das läßt mich am Ende sagen, wir in Wolfenbüttel sind auf dem Weg. Und auch wenn ich den 7 Thesen nicht überall folgen konnte, so sage ich- Es ist der richtige Weg.

Thesen-Nr.
1, 2, 3, 4, 5, 6, 7
Matthias Eggers
Reply to  Detlef P.
3 Monate zuvor

Lieber Detlef,

hab herzlichen Dank für Deine Rückmeldungen,

ich erlebe es als weitgehend als rückenstärkend. Das tut gut in diesen nicht ganz einfachen Zeiten. Es tut auch gut zu sehen, dass das Geschehene uns nicht unberührt lässt und wir nun gemeinsam angemessene Lehren aus dem Geschehenen ziehen wollen.

Weiter oben habe ich mittlerweile schon darauf hingewiesen, inwiefern die Unterscheidung zwischen Tat und Täter für ein entschiedenes Vorgehen für uns als Verantwortliche hilfreich war.

Du hast zu Recht die Problematik beschrieben, die in der Vergangenheit durch ein falsches Verständnis von Barmherzigkeit und Unwissenheit zu einer unseligen Versetzungspolitik geführt hat. Die Vorstellung und Praxis, dass nach bischöflicher Ermahnung und Versetzung in Zukunft nichts mehr vorkommt wurde in der vom Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauches der Bundesregierung eingeforderten Studie des IPP Institutes so beschrieben: Im Bistum Hildesheim herrschte in Bezug auf sexuellen Missbrauch weitgehend eine Kultur der Verantwortungslosigkeit, des Wegsehens und der Naivität.

Unabhängig von dieser Einschätzung ist aber der Anspruch Tat und Täter zu unterscheiden. Die Unterscheidung verstehe ich eher ein Hilfsangebot mir dem jesuanischen Anspruch Weise umzugehen. Einen Moralischer Anspruch für Opfer und ihre Angehörigen würde ich daraus nicht ableiten wollen.

Thesen-Nr.
6
Matthias Eggers
Reply to  Detlef P.
3 Monate zuvor

Und hier die Antwort zu These 4. „An die Auferstehung glauben“

Weiter oben habe ich erläutert, dass mir diese Haltung wichtig ist in Bezug auf alle jene, die meinen wir würden das Ansehen „von Pfarrer Merettig durch den Dreck ziehen und es wäre feige, dass erst nach seinem Tod zu tun. Jetzt, wo er sich nicht mehr wären kann“. Tatsächlich bin ich an diesem Punkt ein wenig empfindlich.

Diese Argumente wurden auch sehr laut vorgetragen als 2015 von der Bistumsleitung veröffentlicht wurde, dass eine glaubwürdige und plausible Zeugenaussage vorliegen würde, die damals Bischof Heinrich Maria Jansen der sexualisierten Gewalt gegenüber einem Minderjährigen beschuldigte.
In dem verzweifelten Versuch seinen Ruf zu retten ohne es überhaupt in Betracht zu ziehen, er könnte vielleicht doch schuldig sein, lag für mich eine eigentümliche Vorstellung innerweltlicher Lebensdeutung.

Mir hilft der Glaube, das nicht ich letztlich der Garant für Gerechtigkeit sein muss, sondern Gott selbst. Wir haben die Aufgabe uns auf die Seite von wirklich Leidtragenden zu stellen. Mitleid mit den Verstorbenen Georg Merettig oder auch Bischof Jansen kann ich in Bezug auf die augenblickliche Situation zu keinem Zeitpunkt entwickeln. Ich glaube Sie sind in Gottes Hand, haben das Gericht der brennenden Liebe und Wahrheit Gottes schon eher hinter sich und stehen jetzt, wie ich hoffe, eher selbst auf der Seite derjenigen, die sich für Leidtragende einsetzen. Das mag ein wenig abwegig klingen. Entlastet mich aber von dem Anspruch, mich für sie oder ihren Ruf einsetzen zu müssen. Gleichwohl gibt es einem nicht das Recht leichtfertig Behauptungen auszusprechen. Aber ich denke, das hat auch keiner getan.
Ich beschreibe also auch hier meine innere Haltung die mein Handeln leitet. Die ich aber nicht Leidtragenden auferlegen würde. Dieses Missverständnis hätte durch eine bessere Formulierung verhindert werden können.

Thesen-Nr.
4
Anne
3 Monate zuvor

Ich danke Pfarrer Eggers und Christiane Kreiss ausdrücklich für ihre Offenheit .
Sich Dunkelheiten zu stellen ist etwas , was schwierig ist, weil es unangenehm ist und eben bedeuten kann, das sich etwas ändern muss. Dazu jedoch muss Mann/Frau auch bereit sein.
Das andere ist These 2
1. Ja die Institution und mit ihr so einige Kleriker waren lange und einige sind es leider immer noch zu sehr darauf bedacht, ebendieses Ansehen schützen zu wollen, indem vertuscht wird. Das ist jedoch die größte Augenwischerei, die es in meinen Augen gibt. Die Tatsache das ich in den letzten Jahren jedoch andere Kleriker kennenlernen durfte, ist einer der Gründe, warum ich in der Institution bleiben konnte. Dazu zähle ich ausdrücklich Pfarrer Eggers, den Pallotiner Pater Jörg Müller, Bischof Heiner u.a. ..
2. Leidtragende in den Blick nehmen ist wesentlich, aber das ist für mich erst der erste Schritt.
Den Leidtragenden, die das möchten!, Raum, spirituelle Orte geben, wo sie sprechen, das Leid benennen evt. sogar eben vor Gott bringen können, ist das Andere, was es braucht!
Solche Wunden sind so tief , das sie nicht nur gute psychologische Betreuung brauchen, sondern auch geschulte BegleiterINNEN oder Kleriker, die den oben genannten Raum , Ort anbieten, um das ganze Elend an SEIN Licht bringen zu können.
Denn dann kann hoffentlich Versöhnung beginnen, die da so dringend benötigt wird!

Thesen-Nr.
1, 2
Peter Heldt
3 Monate zuvor

Mir geht es wie Dr. ten Brink: Dank an die Doppelspitze unserer Pfarrei und Fragen an die Bistumsleitung…

Thesen-Nr.
5, 6
Dr. Wolfgang ten Brink
3 Monate zuvor

Ich möchte mich dafür bedanken, dass unsere Gemeinde und vor allem Pfarrer Eggers so offen mit dem Thema umgehen. Trotzdem bleibt ein schaler Nachgeschmack, wenn man erfährt, dass die Taten von Pfarrer Merettig erst öffentlich gemacht wurden, nachdem er verstorben war. Vor allem, da es wohl deutlich ältere Aktenvermerke zu den Vorwürfen zu geben scheint.

Thesen-Nr.
5, 6
Matthias Eggers
Reply to  Dr. Wolfgang ten Brink
3 Monate zuvor

Lieber Wolfgang, hab herzlichen Dank für Deine Rückmeldung. Das gibt mir die Gelegenheit den Dank auch an Christiane Kreiß weiterzureichen. Ihre Kompetenz als Juristin und Ihr Einsatz für die Öffentlichkeitsarbeit ist für die Pfarreileitung im Augenblick gar nicht wegzudenken.
Tatsächlich beschäftigt auch uns die Frage, wie es sein kann, dass wir als Pfarreileitung über Vorgänge in der Vergangenheit nicht informiert worden sind. Hier gibt es noch eine ganze Reihe von offenen Fragen für deren unabhängige und transparente Aufklärung wir uns einsetzen werden.

Renate Wieland
3 Monate zuvor

Lieber Pfarrer Eggers, vielen Dank für Ihren Mut und die Zeit, die Sie diesem Thema widmen! Ich wünsche mir, dass es Ihnen und den daran Beteiligten gelingt, aus den Vorfällen zu lernen und immer mehr und immer wieder Heilung und Genesung in Sicherheit für das und Achtung vor dem verletzten Wesen zu gestalten. Ich glaube darum geht es. Lebensdienlich gestalten. Herzliche Grüße!

Thesen-Nr.
2, 3, 5, 6
Jutta
3 Monate zuvor

Genau das hat mich veranlasst, Jahrzehnte dieser Institution fern zu bleiben. Und jeden Tag frage ich mich aufs Neue: ist das der Ort, indem ich mich geborgen fühlen kann? Und ich zweifle wieder und wieder und wieder…. und dennoch denke ich, kann nur was von „unten“ verändert werden. Also…. bleiben!? Ich weiß es nicht.

Petra
Reply to  Jutta
3 Monate zuvor

Bitte bleib Jutta.
Ich bin doch auch noch da, trotz allem, mit allem…

Mirijam
Reply to  Petra
3 Monate zuvor

🙏❤️

Brigitte Kuckertz
3 Monate zuvor

Es ist gut und notwendig, diese Taten ganz offen anzusprechen!

Thesen-Nr.
1
Sylvia
3 Monate zuvor

Ja, ich gebe zu, ich hatte gehofft, dass dieser Kelch an uns vorüber geht.
Auch in meinem besonderen Vertrauen auf Pfarrer Eggers (ich kenne eigentlich nur Pfarrer Eggers, da ich erst 2003 zugezogen bin) „wollte“ ich nicht, dass sexueller Mißbrauch in unserer Gemeinde vorkommt.
Ich persönlich kenne werde den Betoffenen noch den vermutlichen Täter, aber es macht wahnsinnig betroffen, zu wissen, dass Leid und Ungerechtigkeit eben doch „hinter der Tür gleich nebenan“ wohnt. (Aber wie sagte meine Vorkommentatorin: auch bei sich selbst gibt es immer Dinge, die man mindestens besser machen kann.)
Insofern bin ich absolut überzeugt, dass Offenheit und Transparenz der EINZIG RICHTIGE Weg sind, um wieder Vertrauen gewinnen zu können.
Und, hej, wir können als Gemeinde daraus auch gestärkt hervorgehen, diese Gemeinde, in der es doch auch an machen Stellen immer mal wieder mit zu großer Konzentration auf die Dinge, die einem selbst so maßlos wichtig erscheinen, etwas hakt. Immer wieder sich selbst zurück nehmen, wirklich zuhören, was der andere gemeint haben könnte und aufeinander zugehen (Dinge, die vielleicht den Täter auch überfordert haben – aus welchen Gründen auch immer).
Gott hat uns alle lieb!

Mirijam
3 Monate zuvor

Danke für diese Worte.
Ich gehe mit dem:
Wer ohne Sünde ist, der werfe den 1. Stein.
Gottes Segen und Gnade für alle.

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