Donnerstag, 25 Mai 2017

Petrus-Seite 1

- Geschichte -

1000

Aussenansicht St. Petrus

Die Entwicklung von Wolfenbüttel geht auf die gleichnamige Feste zurück, die im 10. Jahrhundert vermutlich zum Schutz gegen die Ungarneinfälle errichtet worden war. Nach Wolfenbüttel nannte sich auch eine brunonische Grafenfamilie, die später auch den Beinamen von Asseburg erhielt. Ein Mitglied dieser Familie von "Wolferefdutle" wird im Jahre 1118 in den Annalen des Augustinerinnenklosters Steterburg urkundlich greifbar. Aufgabe der Grafen von Wolfenbüttel war es, im Mittelalter, die Fernhandelsstraße über die Oker zu sichern, die von Minden nach Magdeburg führte Der Okerübergang bei der Wasserburg Wolfenbüttel wird erstmals 1346 urkundlich erwähnt.

 

 

 

1200

Fenster St. Petrus

Als Ende des 12. Jahrhunderts zahlreiche Ministerialenfamilien gegen die Vorherrschaft Herzog Heinrichs des Löwen (1142-1180) opponierten, ließ dieser 1191 die Burg Wolfenbüttel weitgehend zerstören. Denn es war Gunzelin von Wolfenbüttel, der als Reichstruchseß Kaiser Ottos IV. (1175-1218) und Friedrichs II. (1194-1250) eine antiwelfische Herrschaft von Peine bis zum Elm und von dort aus bis zur Asse aufgebaut hatte. Infolge des Zusammenbruchs des Hohenstauferreiches und des Todes Gunzelins 1254 zerbrach die Wolfenbütteler Herrschaft. Die Burg wurde erobert und letztlich im Jahre 1255 durch Truppen Herzog Albrechts I. von Braunschweig (1252-1267) und König Wilhelms von Holland völlig zerstört.

Die strategisch günstige Lage an der Oker veranlasste Herzog Heinrich den Wunderlichen (1279-1291) von Braunschweig, im Jahre 1282 die wüst liegende Wasserburg wieder aufzubauen. Die Feste diente jetzt zum Schutz des welfischen Machtbereiches gegen das Bistum Hildesheim. Während der Regierungszeit Herzog Heinrichs des Friedfertigen (1432-1473) wurde Wolfenbüttel Residenz der Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel, nachdem diese von ihrer Burg Dankwarderode durch die politisch und wirtschaftlich weitgehend unabhängige Stadt Braunschweig verdrängt worden waren. Seit 1495 wechselte daher der Name des Herzogtums zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel.

 

 


 

1400

Erste Nachrichten über die Burgsiedlung Wolfenbüttel, die man aufgrund der topographisch ungünstigen Lage in der Okerniederung auf einem Damm errichten musste, stammen aus dem 14. Jahrhundert. Die Siedler waren zu Hand- und Spanndiensten, die Bauern und Händler zur Bewirtschaftung des Burghaushaltes verpflichtet. Die Burgsiedlung bestand zunächst aus einem Vorwerk und einer Wassermühle; letztere war möglicherweise Ausgangspunkt der gesamten Ansiedlung. Maria mit dem Jesuskind Burg und Siedlung Wolfenbüttel waren zunächst nach Lechede eingepfarrt, einer späteren Wüstung östlich der Oker. Von der dortigen Pfarrkirche St. Stephanus ging die seelsorgliche Betreuung für beide aus. Über das Patronatsrecht der Stephanus-Kirche verfügten zunächst die Herren von Asseburg bzw. von Wolfenbüttel, dann im 14. Jahrhundert die Herzöge von Braunschweig. Als Filialkirche von St. Stephanus war vor 1301 die Marienkapelle östlich der Oker für die Gemeinde eingerichtet worden, während die Longinus-Kapelle (1314) vor der Burg vermutlich zunächst nur der herzoglichen Familie zur Feier des Gottesdienstes vorbehalten war. In diesem Bereich östlich der Oker war der Halberstädter Bischof seelsorglich verantwortlich, der diesen Sprengel der kirchlichen Aufsicht des Archidiakones des Bannes Atzum unterstellte. Die Oker trennte in Wolfenbüttel das Bistum Hildesheim von der östlich liegenden Diözese Halberstadt.

Da 1460 Lechede wüst war, nachdem seine Bewohner in Wolfenbüttel Schutz und Unterkunft gefunden hatten, verlor die St. Stephanus-Kirche an Bedeutung. Dennoch blieb die Pfarrstelle im Ort bis 1561 besetzt, obwohl das Gotteshaus 1522 ausgeraubt und 1542 völlig zerstört worden war. Bischof Gerhard (1458-1479) von Halberstadt hatte nach 1460 den wenigen Bewohnern Lechedes gestattet, ihren Gottesdienst mit Ausnahme der kirchlichen Hochfeste in der Longinuskapelle zu feiern und ihre Angehörigen vor der Marienkapelle in Wolfenbüttel beerdigen zu lassen. Die bischöfliche Order wurde umgangen, als 1561 Herzog Heinrich der Jüngere (1514-1568) von Braunschweig kraft Fundation den Pfarrsitz von St. Stephanus an die Marienkapelle in Wolfenbüttel verlegte. Der Herzog griff damit in die kirchliche Verantwortlichkeit des Bischofs ein. Jenes Vorgehen prägte seine Regierungszeit; er blieb zwar katholisch, nahm aber die kirchliche Oberhoheit für sich in Anspruch.


1500

Herzog Heinrich der Jüngere trat 1538 der Liga bei, dem katholischen Schutzbündnis gegen den Schmalkaldischen Bund der protestantischen Fürsten und Städte. Nachdem er einige protestantische Städte in seinem Territorium militärisch bedroht hatte, griffen ihre Schmalkaldischen Bundesgenossen ein, vertrieben 1542 den katholischen Herzog und drängten auch in Wolfenbüttel auf Einführung der Reformation. Zunächst ließen sie eine evangelische Kirchenvisitation durchführen. Im protestantischen Sinne reformierten sie dasSeitenaltar: Maria mit dem Jesuskind Augustinerinnenkloster Steterburg, das auf Hildesheimer Bistumsgebiet lag. Direkt in Wolfenbüttel wurde 1543 eine evangelische Kirchenordnung in Kraft gesetzt und der Gottesdienst nach katholischem Ritus abgeschafft. Nachdem es 1547 Herzog Heinrich jedoch möglich gewesen war, in sein Territorium zurückzukehren, wurden die katholischen Religionsverhältnisse in Wolfenbüttel zwangsweise wiederhergestellt. Aufgebrachte Bürger beschädigten damals nicht nur die Longinuskapelle, sondern sie zerstörten die Marienkapelle 1547 völlig; die Religionsverhältnisse blieben unklar. Erst nachdem Herzog Julius (1568-1589) als überzeugter Lutheraner im Jahre 1568 die Regierung des Fürstentums angetreten hatte, konnte sich in Wolfenbüttel der Protestantismus endgültig durchsetzen.

Herzog Julius förderte Wolfenbüttel, indem er der Siedlung 1570 Marktrechte verlieh. Damals wurde die Stadt durch die Anlage der Heinrichstadt 1571 im Renaissancestil erweitert. Die Dammfestung und den Schlossbezirk baute man zu diesem Zweck weiter aus, so dass die Heinrichstadt (heute Altstadt) Verwaltungs- und Wohnstadt der herzoglichen Bediensteten und Beamten wurde. Die Heinrichstadt - oder fürstliche Freiheit - bildete im 16. Jahrhundert die Grenze zwischen der herzoglichen Residenz und der Bürgerstadt. Ihre Bewohner genossen, als für die Hofhaltung tätige Dienstleistende, Abgabenfreiheit. In seiner Residenz trat der Herzog auch als Förderer der Wissenschaft auf; 1572 gründete er die heutige Herzog August Bibliothek aus dem Buchbestand aufgelöster Klöster.

Herzog Julius hatte die Feier des katholischen Gottesdienstes in seiner Residenz verboten. Bei seinem Verbot berief er sich auf den schon 1555 in Augsburg von den Reichsständen verabschiedeten Grundsatz: "cuius regio eius religio", der den Untertanen die Religion ihres Landesherren vorschrieb. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648), als die Stadt von kaiserlichen Truppen besetzt gehalten wurde, konnte hier wieder katholischer Gottesdienst gehalten werden. Das im Friedensschluß von 1648 festgelegte Normaljahr (1624) sicherte den konfessionellen Besitzstand jedoch auch in der welfischen Residenzstadt. Darüber hinaus säkularisierte man 1648 auch das zuvor seelsorglich zuständige Bistum Halberstadt, so dass katholische Reformen in Wolfenbüttel nach der Reformation nicht greifen konnten.


1600

Der Wiederaufbau der stark wassergeschädigten Residenz Wolfenbüttel begann nach Kriegsende nur schleppend. Außer der Errichtung der Auguststadt (1652) wurden keine gravierenden baulichen Erweiterungen vorgenommen, obwohl es zahlreiche architektonische Veränderungen gab, die Auswirkungen auf das Stadtbild Wolfenbüttels hatten. Die Auguststadt, wo hauptsächlich Handwerkerfamilien wohnten, war in die Festungsanlage mit hineinbezogen und auf die alte Dammfestung (Schlossbezirk) hin ausgerichtet worden. Der gesamte Befestigungsgürtel der Stadt wurde mit der Schaffung von zusätzlichen Bastionen verstärkt. Neben der August- und alten Heinrichstadt - letztere wurde später noch durch die neue Heinrichstadt erweitert - bildeten der Schlossbezirk, die Freiheit, die Juliusstadt und die Dammsiedlung im 17. Jahrhundert den Stadtkörper Wolfenbüttels; seine räumliche Entwicklung war damit weitgehend abgeschlossen und blieb im wesentlichen bis in das 19. Jahrhundert hinein erhalten.

Im Rahmen absolutistischer Herrschaft waren im 17. Jahrhundert in Wolfenbüttel repräsentative Bauten entstanden. Als evangelische Hauptkirche errichtete man 1608 bis 1660 das Gotteshaus Beatae Mariae Virginis. Die Kirche gehört zu den ersten monumentalen Sakralbauten des deutschen Protestantismus.

1700

Nach Herzog August dem Jüngeren regierte Herzog Rudolf August (1666-1704) das Wolfenbütteler Land nur kurze Zeit selbständig, denn seit 1685 war an der Regierung noch Herzog Anton Ulrich (1685-1714) beteiligt, der im Jahre 1704 alleinregierender Herzog wurde. Er tolerierte nach der Heirat seiner Enkelin Elisabeth-Christine mit König Karl III. von Spanien, zunächst aus politischen Gründen, die wenigen Katholiken, die damals in Wolfenbüttel wohnten. Infolge absolutistischer Hofhaltung hatten sich italienische Künstler katholischer Konfession im Schloss Wolfenbüttel niedergelassen. Ihnen und den Schülern der Ritterakademie gestattete Anton Ulrich im Jahre 1700 den Besuch der Heiligen Messe in einem Raum der Akademie. Den Gottesdienst hielten Franziskanerpatres aus Halberstadt. Seit 1705 wirkte ein Pater des Ordens als selbständiger Seelsorger in Wolfenbüttel. Er feierte Gottesdienst für die katholischen Handwerkerfamilien zunächst in einer Privatwohnung, dann ab 1706 in einem dafür angemieteten Lokal. Nachdem es möglich gewesen war ein Grundstück käuflich zu erwerben und ein sich darauf befindendes Gebäude zu einer Notkapelle umzugestalten, erteilte Herzog Anton Ulrich im Jahre 1707 die Erlaubnis, hier öffentlich katholischen Gottesdienst zu halten.

Nach seiner eigenen Konversion zum Katholizismus im Jahre 1710 trat der Herzog offiziell als Förderer der bis Kreuz St. Petrusdahin in Illegalität lebenden katholischen Gemeinde auf. Noch im selben Jahr seiner Konversion ernannte er den in Wolfenbüttel wirkenden Franziskanerpater zum Hofprediger. Der Geistliche feierte nicht nur in Wolfenbüttel, sondern auch in Braunschweig und Salzdahlum die Heilige Messe. Direkt in Wolfenbüttel konnte auch eine katholische Schule eingerichtet werden.

Als Herzog Anton Ulrich 1714 starb, lebten in der Residenzstadt annähernd 10000 Einwohner; etwa 300 waren katholischer Konfession. Sie wandten sich mit der Bitte zum Bau einer Kirche an den in Hannover ansässigen Apostolischen Vikar Agostino Steffani (1654-1728). Der Vikar nahm Kontakt zum Kaiser von Österreich auf. Auf seine Empfehlung hin wurde im Jahre 1711 eine Reichskollekte durchgeführt, deren Einnahmen für Kirchbauten in der Nordischen Mission bestimmt waren. Wolfenbüttel konnte jedoch noch nicht berücksichtigt werden, da z.B. Hannover Priorität hatte. Darüber hinaus lag die Residenzstadt in einem hinsichtlich der Diözesangrenzen umstrittenen Gebiet. Erst im Jahre 1714 gelangten die Braunschweiger und die Wolfenbütteler Mission durch päpstliches Breve unter die Jurisdiktion des Hildesheimer Bischofs.

Die Siedlungsbereiche Wolfenbüttels, die im Zuge absolutistischer Herrschaft angelegt wurden, waren zunächst auch rechtlich von der Residenz unabhängig. Der Heinrichstadt war nach ihrer Gründung die beschränkte städtische Selbstverwaltung mit der niederen Gerichtsbarkeit verliehen worden. Erst 1747 war durch den Zusammenschluss sämtlicher Teilbereiche mit der Heinrichstadt die Stadt Wolfenbüttel entstanden; letztere war zwar rechtlich der Heinrichstadt unterstellt, aber verstärkt unterstand sie der landesherrlichen Behörde. Im Jahre 1772 verzichtete letztlich Herzog Karl 1. (1735-1780) auf die unmittelbare Stadtkontrolle. Die umliegenden Dörfer Wolfenbüttels gehörten bis etwa 1750 zu den Gerichten Dahlum oder Beddingen im Amt Wolfenbüttel. Von 1751 bis 1807 wurden einige der Dörfer im Amt Rothenhof oder Salzdahlum verwaltet, während die meisten weiterhin dem Residenzamt Wolfenbüttel angehörten.

Infolge der Übersiedlung des herzoglichen Hofes nach Braunschweig 1753/54 verlor Wolfenbüttel politisch wie wirtschaftlich wieder an Bedeutung. Die Hofbeamten verließen die Stadt und zogen nach Braunschweig, ebenso zahlreiche Handwerkerfamilien. Darüber hinaus belastete der Siebenjährige Krieg (1756-1763) die Wirtschaft der Stadt schwer. Von 1753 bis 1776 sank die Anzahl der Einwohner Wolfenbüttels von 9000 auf 5600. Im Zuge dieser Entwicklung war auch die Anzahl der Katholiken auf 180 zurückgegangen. Ihre seelsorgliche Betreuung lag damals bei Franziskanerpatres, welche bis 1818 Wolfenbüttel pastorierten. Die Mission verfügte seit ihrer Gründung über kein Vermögen, sie finanzierte sich durch Spenden.


1800

In Wolfenbüttel wie im gesamten Fürstentum Braunschweig wurden die Katholiken in ihrer Religionsausübung durch strenge Dekrete der regierenden Herzöge erheblich eingeschränkt. Unter westfälischer Herrschaft zeichnete sich Besserung ab, denn die damalige Regierung erkannte die Wolfenbütteler Mission nach 1813 als Pfarrei an. Nach der Auflösung des Königreiches Westfalen trat der Braunschweiger Herzog in seinem Territorium wieder die Regierung an; das Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel wurde 1815 wiederhergestellt. Wolfenbüttel blieb rechtlich Pfarrei, die jedoch in eine untergeordnete und geduldete Stellung gedrängt wurde. Kirchlicherseits bestanden Irritationen hinsichtlich der Besetzung der Pfarrei durch den Hildesheimer Bischof oder den Apostolischen Vikar.

Die Bulle "Impensa Romanorum Pontificum" von 1824 hatte das Territorium des Herzogtums Braunschweig ausklammern müssen, da nur das Königreich Hannover dem Bistum Hildesheim seelsorglich überantwortet worden war, so dass die beiden Pfarreien in Wolfenbüttel und Braunschweig erneut unter die Pastoral des Apostolischen Vikars gerieten. Erst im Jahre 1834 konnte nach schwierigen Verhandlungen zwischen dem Herzogtum Braunschweig, dem Bistum Hildesheim und der Päpstlichen Kurie das Unionsdekret erlassen werden, welches die beiden Pfarreien der seelsorglichen Betreuung des Bistums Hildesheim zuwies.

Hl. Josef mit dem Jesuskind

Der Anschluss an das Eisenbahnnetz im Jahre 1838 schuf in Wolfenbüttel die Voraussetzung zur Industrialisierung. Mit der Niederlegung der Wallanlagen war schon 1804 begonnen worden, so dass die Stadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den sie einengenden Festungsgürtel sprengen konnte. Die dadurch entstandenen Freiflächen wurden dringend zum Bau von Industrieanlagen und Wohnhäusern benötigt. Direkt in Wolfenbüttel wurden 1886 drei Zuckerfabriken eingerichtet, ebenso eine mechanische Spinnerei. Das Arbeitsplatzangebot in diesen Fabriken zog viele Beschäftigungssuchende in die Stadt. Während die Zuckerfabriken etwa 400 Arbeitssuchenden Beschäftigung anbieten konnten, waren bei der mechanischen Spinnerei ca. 300 Arbeiter beschäftigt. Die Arbeitskräfte der Spinnerei stammten hauptsächlich aus Schlesien und Westfalen und waren katholischer Konfession.

 

Katholisch waren auch 150 Maurergesellen und Lehrlinge aus dem Eichsfeld sowie 80 Ziegelbrenner und etwa 100 Landarbeiter. Da sie Unterkunft nicht nur direkt in Wolfenbüttel, sondern auch in den umliegenden Dörfern erhalten hatten, war ihre seelsorgliche Betreuung schwierig. Dringend fehlte auch eine geräumige Kirche, weil der Gottesdienstraum in der Krummen Straße, der etwa 180 bis 200 Gottesdienstbesuchern Platz bot, bei etwa 1400 Gemeindemitgliedern die Anzahl der Kirchenbesuchernicht mehr fassen konnte. Als Notlösung feierte der betreuende Priester damals regelmäßige Gottesdienste in den Dörfern, in Zuckerfabriken oder ähnlichen Räumlichkeiten.

Alle Anträge zum Bau einer katholischen Kirche beim Magistrat der Stadt Wolfenbüttel und beim Staatsministerium wurden jedoch abschlägig beschieden. Auch Beihilfen aus Staatsmitteln zum Kirchbau wurden wiederholt abgelehnt. Dennoch war es durch Spenden zahlreicher katholischer Vereinigungen, wie z.B. des Paderborner Bonifatiusvereins, möglich, dass 1887 nach erheblichem Protest des Wolfenbütteler Rates ein Baugrundstück auf der Wallpromenade käuflich erworben werden konnte. Weil sich durch die Versetzung des Seelsorgers der Kirchbau jedoch verzögerte, erwarb man zunächst zu gottesdienstlichen Zwecken die Schlenter-Mühle. Auf Anordnung von Bischof Wilhelm Sommerwerck (1871-1905) war es möglich, die Mühle vorübergehend als Gottesdienstraum zu nutzen; ihre Ausstattung musste deshalb notdürftig ausfallen.


Ab 1880

Eine zweite Einwanderungswelle ergriff Wolfenbüttel während der Industrialisierung um 1880, als österreichische Katholiken aus Böhmen, Mähren und Tirol sowie zahlreiche Landarbeiter aus Polen in der Stadt und im Wolfenbütteler Umland Arbeit annahmen und sich niederließen. Mehrere Gesuche des Hildesheimer Bischofs auf Einrichtung von zusätzlichen katholischen Seelsorgestellen im Pfarrbezirk von Wolfenbüttel wurden von der Braunschweiger Regierung abgelehnt. Wolfenbüttel blieb für den weiten Pfarrbezirk auf 650 qkm die einzige Seelsorgestelle, so dass der Bau einer katholischen Kirche immer dringlicher wurde. Das Bauvorhaben der Kirche gestaltete sich besonders während der Kulturkampfzeit schwierig. Bischof Wilhelm Sommerwerck unterstützte den Bau der katholischen Kirche in Wolfenbüttel aus seinem persönlichen Einkommen.

Die Baupläne wurden 1889 für das Grundstück, das zwischen der Wallpromenade und dem Okerkanal lag, fertiggestellt. Baubeginn war September 1889; das Gotteshaus wurde am 5. August 1891 durch den Hildesheimer Bischof zu Ehren des heiligen Apostels Petrus geweiht. Damals stellten besonders Fabrikarbeiter und Tagelöhner die Mehrheit der Gemeindemitglieder, so dass wirtschaftliche Eigenleistungen zum Unterhalt der Pfarrei kaum aufgebracht werden konnten. Die Schlenter-Mühle musste deshalb 1891 an die Stadt Wolfenbüttel verkauft werden. Zum weiträumigen Pfarrbezirk von St. Petrus gehörten außer der Stadt Wolfenbüttel noch die Dörfer der Ämter Wolfenbüttel, Schöppenstedt, Salder und Harzburg, wo im Jahre 1895 136 Katholiken wohnten, während insgesamt 3000 katholische Christen betreut wurden. Der Hauptteil der Katholiken verteilte sich auf die Stadt Wolfenbüttel, wo Fabriken Arbeitsplätze anboten. Jedoch auch die wenigen Katholiken in den umliegenden Landgemeinden, die weite Wege zum Kirchenbesuch in Wolfenbüttel zurücklegten, mussten pastoriert werden. Die Gesuche des Pfarrgeistlichen zur Einrichtung von periodischen Gottesdiensten z.B. in Schöppenstedt wurden jedoch von der Regierung abgelehnt. Hinzu kam, dass vor und nach der Jahrhundertwende zahlreiche polnische Landarbeiter katholischer Konfession in den umliegenden Dörfern arbeiteten, deren seelsorgliche Betreuung, welche die Pfarrei St. Petrus übernommen hatte, durch die staatlichen Behörden stark reglementiert wurde.

1900

Hl. Antonius mit dem Jesuskind

Erst 1907 wurde nach mehrfach abgelehnten Gesuchen die Einstellung eines Hilfsgeistlichen mit der Zuständigkeit für Schöppenstedt genehmigt. Er durfte hier jedoch nur viermal Gottesdienst halten; die periodische Einrichtung zur Feier der Heiligen Messe war abgelehnt worden. Im Jahre 1908 wurde im Gasthaus "Deutscher Kaiser" erstmals wieder die Heilige Messe in Schöppenstedt gefeiert; 1920 erhielt die Gemeinde einen eigenen Seelsorger.

Ähnlich war die Situation in Thiede, wo man nach der Jahrhundertwende eine Gottesdienststation hatte einrichten können. Von 1913 bis 1926 war die Anzahl der hier wohnenden Katholiken von 250 auf 300 gestiegen. Die Katholikenzahl erhöhte sich in den Sommermonaten noch durch polnische Landarbeiter, die auf den umliegenden Dörfern arbeiteten. In Thiede konnte mit Hilfe des Bischöflichen Generalvikariates ein Haus käuflich erworben und zu gottesdienstlichen Zwecken umgebaut werden.

Nachdem im Jahre 1907 in Wolfenbüttel die Anstellung eines Kaplans möglich gewesen war, konnte der katholische Religionsunterricht auch auf den Dörfern sichergestellt werden. Die katholische Volksschule in Wolfenbüttel musste jedoch 1922 aufgegeben werden, da die Pfarrei nicht die notwendigen finanziellen Mittel aufbringen konnte. Die Stadt übernahm die Lehranstalt mit der Auflage, dass ihr katholischer Charakter erhalten blieb.

Noch während des Ersten Weltkrieges (1914-1918) und der Aufhebung des Herzogtums Braunschweig im Jahre 1918 kam es in Wolfenbüttel zu entscheidenden kommunalpolitischen Veränderungen, indem 1917 an die Stelle des herzoglichen Stadtdirektors ein gewählter Bürgermeister trat. Im Jahre 1924 wurden etwa 336 ha von den umliegenden Landgemeinden Ahlum, Atzum, Linden und Wendessen der Stadt zugeschlagen. Die so gewonnenen Freiflächen wurden zur Bebauung freigegeben und der Stadtbereich Wolfenbüttels erweitert.


Ab 1933

Nach ihrer Machtergreifung 1933 betrieben die Nationalsozialisten auf dem Hintergrund ihrer Kriegspläne im Jahre 1937 den Aufbau ihres Hüttengroßprojektes Der Taufstein im Salzgittergebiet (Hermann-Göring-Werke). Als nach Kriegsausbruch im Jahre 1939 Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge in der Industrie Salzgitters eingesetzt wurden, fiel deren seelsorgliche Betreuung mit unter die Zuständigkeit der Pfarrei St. Petrus in Wolfenbüttel. Die Wolfenbütteler Pfarrgemeinde zählte damals mit über 55000 Katholiken (in 124 Orten auf 750 qkm Fläche)zu den größten Pfarreien im Deutschen Reich. Staatliche Verordnungen und Repressalien machten die seelsorgliche Betreuung der Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge unmöglich. Auch griff der nationalsozialistische Staat mit der Beschlagnahme des ehemaligen katholischen Schulgebäudes 1939 in Wolfenbüttel zwecks Unterbringung Evakuierter aus dem Saarland und unter Berufung auf das Verbot kirchlicher Vereinigungen aggressiv in die Seelsorgearbeit der Gemeinde ein. Neben der allgemeinen Pfarrseelsorge war der Pfarrer an St. Petrus auch für die Betreuung der im Wolfenbütteler Strafgefängnis inhaftierten Katholiken verantwortlich. Hier wurden mit vielen anderen Häftlingen auch zahlreiche katholische Christen zu Unrecht hingerichtet, unter ihnen vier Priester.

Da während des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) alle Gasthäuser als Massenquartiere genutzt wurden, war es hauptsächlich nur noch möglich, in Schulen Gottesdienst zu halten. Unter dieser Voraussetzung erachtete es der Hildesheimer Bischof Joseph Godehard Machens (1934-1956) für notwendig, sich um die Schaffung von Gottesdienstmöglichkeiten und Kirchbauplätzen zu bemühen. Die Verhandlungen von Bischof Machens mit den Hermann-Göring-Werken in Salzgitter und den staatlichen Stellen blieben jedoch ohne Erfolg. Neue Gotteshäuser durften nicht errichtet werden; lediglich in angemieteten Sälen und Baracken in den Dörfern konnte die Heilige Messe gefeiert werden. In Lichtenberg wurde im Jahre 1940 der Gottesdienst, der im "Amtskrug" stattfinden sollte, von der Geheimen Staatspolizei verboten.

Nach 1945

Am 11. April 1945 ergab sich Wolfenbüttel ohne Widerstand den amerikanischen Truppen. Befreite Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene drängten in die wenig vom Luftkrieg betroffene Stadt und plünderten sie. Ohne bedeutende Industrie war Wolfenbüttel kein Angriffsziel alliierter Luftverbände gewesen; von 6797 Wohnungen waren lediglich 285 leicht zerstört, 363 leicht beschädigt. Vom Lager Immendorf aus erreichten Heimatvertriebene aus dem Osten die Stadt und hofften hier auf Unterkunft. Der Größenordnung der hinzuziehenden Menschen war Wolfenbüttel jedoch nicht gewachsen, von 1932 bis 1945 hatte sich die Einwohnerzahl der Stadt von 20000 auf 27000 erhöht. In den umliegenden Dörfern der Stadt musste deshalb nach Unterbringungsmöglichkeiten für die Heimatvertriebenen und Flüchtlinge aus der sowjetischen Besatzungszone gesucht werden. Mit Ausnahme der Gemeinden im Salzgittergebiet waren die Dörfer des Kreisgebietes von Wolfenbüttel jedoch bald mit dem Zustrom der Unterkunftssuchenden überfordert; im Jahre 1946 wohnten im Kreisgebiet 24000 Heimatvertriebene und etwa 500 Flüchtlinge aus der sowjetischen Besatzungszone. Anfang des Jahres 1946 zählte die Stadt Wolfenbüttel schon 35000 Einwohner, so dass neben den "Zwangseinweisungen" auch Flüchtlingslager eingerichtet werden mussten. Solche Lager wurden in Wolfenbüttel an der Halchterschen Straße, Frankfurter Straße, Ackerstraße, an der Friedrich-Wilhelm-Straße und später in den Kasernen an der Lindener Straße eingerichtet.

Pietà

Auf immer noch 750 qkm bestanden 11 Pfarrvikarien im Seelsorgebereich von St. Petrus, wo im Jahre 1946 36476 Katholiken von 15 Priestern seelsorglich betreut wurden. Direkt in Wolfenbüttel waren im selben Jahr von 23000 Einwohnern etwa 1200 katholischer Konfession. Mit den Heimatvertriebenen hatte sich die Anzahl der in der Stadt wohnenden Katholiken im Vergleich zur Vorkriegszeit verzehnfacht. Die Sozialstruktur der katholischen Pfarrgemeinde St. Petrus prägten nach 1945 die heimatvertriebenen Katholiken. Unter ihnen waren zwar alle Berufsgruppen vertreten, wenngleich sie, in Barackenlagern untergebracht, ihren Beruf nicht ausüben konnten; es herrschte soziale Armut. Eine Besserung ihrer sozialen Lage zeichnete sich nach 1948 mit der Währungsreform ab, als finanzielle Mittel zum Wohnungsbau bereitgestellt wurden und der Ausbau der Wolfenbütteler Infrastruktur ihnen langfristig die Arbeitsaufnahme im Industriebereich von Salzgitter ermöglichte. Auch die seelsorgliche Situation entspannte sich durch die Einrichtung von Pfarrvikarien und Kuratien in Hornburg, Semmenstedt sowie im Stadtbereich von Salzgitter in Thiede-Steterburg, Watenstedt, Lebenstedt, Woltwiesche, Gebhardshagen und Burgdorf/Braunschweig.

Die Konsolidierung des katholischen Gemeindelebens zeichnete sich mit der Gründung bzw. mit der Neuorganisation der kirchlichen Vereinigungen, wie der Jugendverbände und der Kolpingfamilie, in den 50er Jahren deutlich ab. Damals stellten im wesentlichen Industriearbeiter und Angestellte die größten sozialen Gruppen in St. Petrus. Etwa 40 % einheimische und 60 % heimatvertriebene Katholiken wurden im Diasporaseelsorgebezirk betreut.


Ab 1970

Infolge des Zuzuges von katholischen Christen aus dem europäischen Ausland hatte Anfang der 70er Jahre mit 5600 Katholiken die Gemeindemitgliederzahl ihren Höhepunkt überschritten. Als notwendig erwies sich deshalb die Einrichtung der Kuratiegemeinde St. Ansgar im Jahre 1973 im Nordosten Wolfenbüttels. Von der Petruspfarrei, welche auch die umliegenden Dörfer an die Kuratie abgetreten hatte, mussten im Jahre 1974 noch 4950 Katholiken pastoriert werden. Im selben Jahr war es zu kommunalpolitischen Veränderungen gekommen, als im Zuge der Kreis- und Gebietsreform in Niedersachsen zehn der umliegenden Landgemeinden in die Stadt eingemeindet wurden, die sich jetzt auf 87 qkm ausdehnte. Sozial prägend im Pfarrbereich von St. Petrus blieben weiterhin die Industriearbeiter. Ihnen schlossen sich die Angestellten der städtischen und Kreisbehörden der Stadt an. Wenige von ihnen hatten im wissenschaftlichen Bereich der Herzog August Bibliothek oder im Schloss Wolfenbüttel Beschäftigung erhalten. Die Stadt Wolfenbüttel hatte sich hauptsächlich in kunsthistorisch und wissenschaftlich anspruchsvollem Rahmen zur Wohnstadt der Industriearbeiter des Salzgittergebietes entwickelt.

Seit den 80er Jahren wurden zahlreiche Asylantenfamilien im Pfarrbezirk der Pfarrei aufgenommen. Auch der hohe prozentuale Anteil von Suchtkranken infolge von Arbeitslosigkeit, trug zur sozialen Armut bei; das caritative Betreuungssystem wurde in der Pfarrei erweitert. Während die Anzahl der Katholiken mit über 4 800 seit Anfang der 90er Jahre konstant war, fiel die Gemeindegröße 1994 auf 4715; die Überalterung der Gemeindemitglieder und der Fortzug von Katholiken auf dem Hintergrund von Arbeitslosigkeit waren dafür mögliche Ursachen. Neben der Hauptpfarrkirche St. Petrus werden gegenwärtig noch in der Kapelle der Strafvollzugsanstalt und in den Räumen dreier Altenheime und des Städtischen Krankenhauses Hl. Messen oder andere Gottesdienste gefeiert.

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