Donnerstag, 30 März 2017

Petrus-Seite 1

1800

In Wolfenbüttel wie im gesamten Fürstentum Braunschweig wurden die Katholiken in ihrer Religionsausübung durch strenge Dekrete der regierenden Herzöge erheblich eingeschränkt. Unter westfälischer Herrschaft zeichnete sich Besserung ab, denn die damalige Regierung erkannte die Wolfenbütteler Mission nach 1813 als Pfarrei an. Nach der Auflösung des Königreiches Westfalen trat der Braunschweiger Herzog in seinem Territorium wieder die Regierung an; das Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel wurde 1815 wiederhergestellt. Wolfenbüttel blieb rechtlich Pfarrei, die jedoch in eine untergeordnete und geduldete Stellung gedrängt wurde. Kirchlicherseits bestanden Irritationen hinsichtlich der Besetzung der Pfarrei durch den Hildesheimer Bischof oder den Apostolischen Vikar.

Die Bulle "Impensa Romanorum Pontificum" von 1824 hatte das Territorium des Herzogtums Braunschweig ausklammern müssen, da nur das Königreich Hannover dem Bistum Hildesheim seelsorglich überantwortet worden war, so dass die beiden Pfarreien in Wolfenbüttel und Braunschweig erneut unter die Pastoral des Apostolischen Vikars gerieten. Erst im Jahre 1834 konnte nach schwierigen Verhandlungen zwischen dem Herzogtum Braunschweig, dem Bistum Hildesheim und der Päpstlichen Kurie das Unionsdekret erlassen werden, welches die beiden Pfarreien der seelsorglichen Betreuung des Bistums Hildesheim zuwies.

Hl. Josef mit dem Jesuskind

Der Anschluss an das Eisenbahnnetz im Jahre 1838 schuf in Wolfenbüttel die Voraussetzung zur Industrialisierung. Mit der Niederlegung der Wallanlagen war schon 1804 begonnen worden, so dass die Stadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den sie einengenden Festungsgürtel sprengen konnte. Die dadurch entstandenen Freiflächen wurden dringend zum Bau von Industrieanlagen und Wohnhäusern benötigt. Direkt in Wolfenbüttel wurden 1886 drei Zuckerfabriken eingerichtet, ebenso eine mechanische Spinnerei. Das Arbeitsplatzangebot in diesen Fabriken zog viele Beschäftigungssuchende in die Stadt. Während die Zuckerfabriken etwa 400 Arbeitssuchenden Beschäftigung anbieten konnten, waren bei der mechanischen Spinnerei ca. 300 Arbeiter beschäftigt. Die Arbeitskräfte der Spinnerei stammten hauptsächlich aus Schlesien und Westfalen und waren katholischer Konfession.

 

Katholisch waren auch 150 Maurergesellen und Lehrlinge aus dem Eichsfeld sowie 80 Ziegelbrenner und etwa 100 Landarbeiter. Da sie Unterkunft nicht nur direkt in Wolfenbüttel, sondern auch in den umliegenden Dörfern erhalten hatten, war ihre seelsorgliche Betreuung schwierig. Dringend fehlte auch eine geräumige Kirche, weil der Gottesdienstraum in der Krummen Straße, der etwa 180 bis 200 Gottesdienstbesuchern Platz bot, bei etwa 1400 Gemeindemitgliedern die Anzahl der Kirchenbesuchernicht mehr fassen konnte. Als Notlösung feierte der betreuende Priester damals regelmäßige Gottesdienste in den Dörfern, in Zuckerfabriken oder ähnlichen Räumlichkeiten.

Alle Anträge zum Bau einer katholischen Kirche beim Magistrat der Stadt Wolfenbüttel und beim Staatsministerium wurden jedoch abschlägig beschieden. Auch Beihilfen aus Staatsmitteln zum Kirchbau wurden wiederholt abgelehnt. Dennoch war es durch Spenden zahlreicher katholischer Vereinigungen, wie z.B. des Paderborner Bonifatiusvereins, möglich, dass 1887 nach erheblichem Protest des Wolfenbütteler Rates ein Baugrundstück auf der Wallpromenade käuflich erworben werden konnte. Weil sich durch die Versetzung des Seelsorgers der Kirchbau jedoch verzögerte, erwarb man zunächst zu gottesdienstlichen Zwecken die Schlenter-Mühle. Auf Anordnung von Bischof Wilhelm Sommerwerck (1871-1905) war es möglich, die Mühle vorübergehend als Gottesdienstraum zu nutzen; ihre Ausstattung musste deshalb notdürftig ausfallen.

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