Samstag, 24 Juni 2017

Petrus-Seite 1

1600

Der Wiederaufbau der stark wassergeschädigten Residenz Wolfenbüttel begann nach Kriegsende nur schleppend. Außer der Errichtung der Auguststadt (1652) wurden keine gravierenden baulichen Erweiterungen vorgenommen, obwohl es zahlreiche architektonische Veränderungen gab, die Auswirkungen auf das Stadtbild Wolfenbüttels hatten. Die Auguststadt, wo hauptsächlich Handwerkerfamilien wohnten, war in die Festungsanlage mit hineinbezogen und auf die alte Dammfestung (Schlossbezirk) hin ausgerichtet worden. Der gesamte Befestigungsgürtel der Stadt wurde mit der Schaffung von zusätzlichen Bastionen verstärkt. Neben der August- und alten Heinrichstadt - letztere wurde später noch durch die neue Heinrichstadt erweitert - bildeten der Schlossbezirk, die Freiheit, die Juliusstadt und die Dammsiedlung im 17. Jahrhundert den Stadtkörper Wolfenbüttels; seine räumliche Entwicklung war damit weitgehend abgeschlossen und blieb im wesentlichen bis in das 19. Jahrhundert hinein erhalten.

Im Rahmen absolutistischer Herrschaft waren im 17. Jahrhundert in Wolfenbüttel repräsentative Bauten entstanden. Als evangelische Hauptkirche errichtete man 1608 bis 1660 das Gotteshaus Beatae Mariae Virginis. Die Kirche gehört zu den ersten monumentalen Sakralbauten des deutschen Protestantismus.

1700

Nach Herzog August dem Jüngeren regierte Herzog Rudolf August (1666-1704) das Wolfenbütteler Land nur kurze Zeit selbständig, denn seit 1685 war an der Regierung noch Herzog Anton Ulrich (1685-1714) beteiligt, der im Jahre 1704 alleinregierender Herzog wurde. Er tolerierte nach der Heirat seiner Enkelin Elisabeth-Christine mit König Karl III. von Spanien, zunächst aus politischen Gründen, die wenigen Katholiken, die damals in Wolfenbüttel wohnten. Infolge absolutistischer Hofhaltung hatten sich italienische Künstler katholischer Konfession im Schloss Wolfenbüttel niedergelassen. Ihnen und den Schülern der Ritterakademie gestattete Anton Ulrich im Jahre 1700 den Besuch der Heiligen Messe in einem Raum der Akademie. Den Gottesdienst hielten Franziskanerpatres aus Halberstadt. Seit 1705 wirkte ein Pater des Ordens als selbständiger Seelsorger in Wolfenbüttel. Er feierte Gottesdienst für die katholischen Handwerkerfamilien zunächst in einer Privatwohnung, dann ab 1706 in einem dafür angemieteten Lokal. Nachdem es möglich gewesen war ein Grundstück käuflich zu erwerben und ein sich darauf befindendes Gebäude zu einer Notkapelle umzugestalten, erteilte Herzog Anton Ulrich im Jahre 1707 die Erlaubnis, hier öffentlich katholischen Gottesdienst zu halten.

Nach seiner eigenen Konversion zum Katholizismus im Jahre 1710 trat der Herzog offiziell als Förderer der bis Kreuz St. Petrusdahin in Illegalität lebenden katholischen Gemeinde auf. Noch im selben Jahr seiner Konversion ernannte er den in Wolfenbüttel wirkenden Franziskanerpater zum Hofprediger. Der Geistliche feierte nicht nur in Wolfenbüttel, sondern auch in Braunschweig und Salzdahlum die Heilige Messe. Direkt in Wolfenbüttel konnte auch eine katholische Schule eingerichtet werden.

Als Herzog Anton Ulrich 1714 starb, lebten in der Residenzstadt annähernd 10000 Einwohner; etwa 300 waren katholischer Konfession. Sie wandten sich mit der Bitte zum Bau einer Kirche an den in Hannover ansässigen Apostolischen Vikar Agostino Steffani (1654-1728). Der Vikar nahm Kontakt zum Kaiser von Österreich auf. Auf seine Empfehlung hin wurde im Jahre 1711 eine Reichskollekte durchgeführt, deren Einnahmen für Kirchbauten in der Nordischen Mission bestimmt waren. Wolfenbüttel konnte jedoch noch nicht berücksichtigt werden, da z.B. Hannover Priorität hatte. Darüber hinaus lag die Residenzstadt in einem hinsichtlich der Diözesangrenzen umstrittenen Gebiet. Erst im Jahre 1714 gelangten die Braunschweiger und die Wolfenbütteler Mission durch päpstliches Breve unter die Jurisdiktion des Hildesheimer Bischofs.

Die Siedlungsbereiche Wolfenbüttels, die im Zuge absolutistischer Herrschaft angelegt wurden, waren zunächst auch rechtlich von der Residenz unabhängig. Der Heinrichstadt war nach ihrer Gründung die beschränkte städtische Selbstverwaltung mit der niederen Gerichtsbarkeit verliehen worden. Erst 1747 war durch den Zusammenschluss sämtlicher Teilbereiche mit der Heinrichstadt die Stadt Wolfenbüttel entstanden; letztere war zwar rechtlich der Heinrichstadt unterstellt, aber verstärkt unterstand sie der landesherrlichen Behörde. Im Jahre 1772 verzichtete letztlich Herzog Karl 1. (1735-1780) auf die unmittelbare Stadtkontrolle. Die umliegenden Dörfer Wolfenbüttels gehörten bis etwa 1750 zu den Gerichten Dahlum oder Beddingen im Amt Wolfenbüttel. Von 1751 bis 1807 wurden einige der Dörfer im Amt Rothenhof oder Salzdahlum verwaltet, während die meisten weiterhin dem Residenzamt Wolfenbüttel angehörten.

Infolge der Übersiedlung des herzoglichen Hofes nach Braunschweig 1753/54 verlor Wolfenbüttel politisch wie wirtschaftlich wieder an Bedeutung. Die Hofbeamten verließen die Stadt und zogen nach Braunschweig, ebenso zahlreiche Handwerkerfamilien. Darüber hinaus belastete der Siebenjährige Krieg (1756-1763) die Wirtschaft der Stadt schwer. Von 1753 bis 1776 sank die Anzahl der Einwohner Wolfenbüttels von 9000 auf 5600. Im Zuge dieser Entwicklung war auch die Anzahl der Katholiken auf 180 zurückgegangen. Ihre seelsorgliche Betreuung lag damals bei Franziskanerpatres, welche bis 1818 Wolfenbüttel pastorierten. Die Mission verfügte seit ihrer Gründung über kein Vermögen, sie finanzierte sich durch Spenden.