Sonntag, 20 August 2017

Petrus-Seite 1

1500

Herzog Heinrich der Jüngere trat 1538 der Liga bei, dem katholischen Schutzbündnis gegen den Schmalkaldischen Bund der protestantischen Fürsten und Städte. Nachdem er einige protestantische Städte in seinem Territorium militärisch bedroht hatte, griffen ihre Schmalkaldischen Bundesgenossen ein, vertrieben 1542 den katholischen Herzog und drängten auch in Wolfenbüttel auf Einführung der Reformation. Zunächst ließen sie eine evangelische Kirchenvisitation durchführen. Im protestantischen Sinne reformierten sie dasSeitenaltar: Maria mit dem Jesuskind Augustinerinnenkloster Steterburg, das auf Hildesheimer Bistumsgebiet lag. Direkt in Wolfenbüttel wurde 1543 eine evangelische Kirchenordnung in Kraft gesetzt und der Gottesdienst nach katholischem Ritus abgeschafft. Nachdem es 1547 Herzog Heinrich jedoch möglich gewesen war, in sein Territorium zurückzukehren, wurden die katholischen Religionsverhältnisse in Wolfenbüttel zwangsweise wiederhergestellt. Aufgebrachte Bürger beschädigten damals nicht nur die Longinuskapelle, sondern sie zerstörten die Marienkapelle 1547 völlig; die Religionsverhältnisse blieben unklar. Erst nachdem Herzog Julius (1568-1589) als überzeugter Lutheraner im Jahre 1568 die Regierung des Fürstentums angetreten hatte, konnte sich in Wolfenbüttel der Protestantismus endgültig durchsetzen.

Herzog Julius förderte Wolfenbüttel, indem er der Siedlung 1570 Marktrechte verlieh. Damals wurde die Stadt durch die Anlage der Heinrichstadt 1571 im Renaissancestil erweitert. Die Dammfestung und den Schlossbezirk baute man zu diesem Zweck weiter aus, so dass die Heinrichstadt (heute Altstadt) Verwaltungs- und Wohnstadt der herzoglichen Bediensteten und Beamten wurde. Die Heinrichstadt - oder fürstliche Freiheit - bildete im 16. Jahrhundert die Grenze zwischen der herzoglichen Residenz und der Bürgerstadt. Ihre Bewohner genossen, als für die Hofhaltung tätige Dienstleistende, Abgabenfreiheit. In seiner Residenz trat der Herzog auch als Förderer der Wissenschaft auf; 1572 gründete er die heutige Herzog August Bibliothek aus dem Buchbestand aufgelöster Klöster.

Herzog Julius hatte die Feier des katholischen Gottesdienstes in seiner Residenz verboten. Bei seinem Verbot berief er sich auf den schon 1555 in Augsburg von den Reichsständen verabschiedeten Grundsatz: "cuius regio eius religio", der den Untertanen die Religion ihres Landesherren vorschrieb. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648), als die Stadt von kaiserlichen Truppen besetzt gehalten wurde, konnte hier wieder katholischer Gottesdienst gehalten werden. Das im Friedensschluß von 1648 festgelegte Normaljahr (1624) sicherte den konfessionellen Besitzstand jedoch auch in der welfischen Residenzstadt. Darüber hinaus säkularisierte man 1648 auch das zuvor seelsorglich zuständige Bistum Halberstadt, so dass katholische Reformen in Wolfenbüttel nach der Reformation nicht greifen konnten.