Freitag, 24 März 2017

Peter&Paul-Seite 1

- Geschichte -

 

Hildeswid und Alburgis

 

1000

Um das Jahr 1000 stifteten die Adeligen Hildeswid und Alburgis in Heiningen ein Kanonissenstift. Bischof Bernward (993 1022) von Hildesheim, der wie die beiden Frauen aus der Familie der Billunger stammte, förderte die kirchliche Stiftung. Das Kloster wurde zu Ehren der Gottesmutter und zu Ehren des heiligen Petrus geweiht; seit 1126 trug es auch das Patrozinium des heiligen Paulus.

 Bischof Bernward

Im Zuge der Stiftung verfügten die Kanonissen über beachtlichen Grundbesitz in und um Heiningen, jedoch auch im benachbarten Bistum Halberstadt. Bischof Bernward von Hildesheim erwirkte für das Heininger Stift ein Immunitätsprivileg von Kaiser Otto 111. (983-1002), welches von seinem kaiserlichen Nachfolger Heinrich II. (1002-1024) erneuert wurde.

      

 

1200

Schon im Jahre 1126 mußte das Stift auf Veranlassung Bischof Bartholds (1119-1130) von Hildesheim durch Propst Gerhard von Riechenberg reformiert und die Augustinerregel eingeführt werden. Die Stiftskirche Heiningen diente auch der Gemeinde als Gotteshaus, welche 1140 durch Bischof Bernhard I. von Hildesheim (1130-1153) aus dem Pfarrverband von Gielde gelöst und zur Pfarrei erhoben war. Im Jahre 1174 verlegte der Hildesheimer Bischof den Archidiakonatssitz von Gielde an die Klosterkirche St. Marien in Heiningen. Der Propst des Klosters übte seitdem das Archidiakonatsamt über die Siedlungen Burgdorf, Werla und Wöltingerode aus. Wirtschaftlich bedeutend war die 1140 erteilte kaiserliche Erlaubnis, einen Wasserlauf der Oker nach Heiningen zu führen.

 


St. Peter & Paul - Eingang

1400

Trotz des reichen Grundvermögens der Augustinerinnen war das Kloster im hohen Mittelalter verarmt. Im Jahre 1451 hatte es der Päpstliche Legat Kardinal Nikolaus von Cusa visitiert. Der Prior Berthold des Sülteklosters in Hildesheim erhielt daraufhin die Verwaltung und führte in Heiningen auch die Windesheimer Reformen durch. Danach kam das Kloster wieder zu Wohlstand; es konnte etwa 100 Ordensfrauen aufnehmen.

 

1500

Die herrschaftlichen Neuordnungen des 16. Jahrhunderts wirkten sich auf das kirchliche Leben in Kloster und Gemeinde Heiningen insofern aus, als das Amt Liebenburg, zu dem beide gehörten, infolge der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) an das Fürstentum Braunschweig fiel. Während hier die katholischen Religionsverhältnisse unter der Regierung von Herzog Heinrich dem Jüngeren (1514-1568) noch gesichert waren, ließ sein Sohn und Nachfolger Herzog Julius (1568-1589) die Reformation im Fürstentum Braunschweig einführen. Die Ordensfrauen in Heiningen wurden 1569 gezwungen, das lutherisch evangelische Bekenntnis anzunehmen; die Verwaltung des Klosters wurde im herzoglichen Auftrag evangelischen Administratoren und Pröpsten übertragen.


1600

Mit der Restitution des Großen Stiftes im Jahre 1643 fielen das Amt Liebenburg gemeinsam mit Kloster und Siedlung Heiningen an den Hildesheimer Bischof zurück, der wieder Landesherr wurde. Das Normaljahr von 1624 sicherte jedoch den konfessionellen Besitzstand der Gemeinde. Im Zuge der katholischen Reform besetzte der Hildesheimer Bischof das Kloster wieder mit katholischen Ordensfrauen und richtete hier eine Pfarrstelle ein, deren Seelsorger nicht nur für Heiningen, sondern auch für das weite Umland pastoral verantwortlich waren. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) war die Seelsorgesituation jedoch schwierig, da Kloster und Kirche ausgeplündert waren und Heiningen wirtschaftlich schwer unter den Kriegsfolgen litt. Die Klosterkirche mußte am 5. Oktober d. J. 1658 neu konsekriert und die Klostergebäude nach 1661 wieder aufgebaut werden.

Kreuz

1700/1800

Von den Kriegsfolgen des 17. und 18. Jahrhunderts erholte sich das ausschließlich landwirtschaftlich orientierte Heiningen nur schwer. Besserung zeichnete sich erst im 19. Jahrhundert ab, als Überlegungen zum Anschluß der Gemeinde an das Schienennetz getätigt wurden. Diese mußten jedoch bald wieder aufgegeben werden, da das Dorf das Land zum Bau des Schienenanschlusses nicht zur Verfügung stellte. Neben dem Gut waren damals im Dorf nur einige Handwerksbetriebe und vorübergehend eine Ziegelei vorhanden; die dörfliche Bevölkerung verdiente sich hauptsächlich mit Wanderarbeiten ihren Lebensunterhalt.

Erhebliche politische und kirchliche Neuerungen griffen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nachdem im Jahre 1802 das Kloster Heiningen im Bistum Hildesheim zunächst an Preußen, dann 1806 an das Königreich Westfalen gefallen war, wurde es im Jahre 1810 aufgehoben. Seine Ländereien wurden verkauft und kamen in Privatbesitz. Die Klosterkirche war vom Verkauf jedoch ausgenommen worden; sie wurde der Gemeinde als Gotteshaus zugewiesen, welches unter die Verwaltung der hannoverschen Klosterkammer gelangte.

Seit 1866 wieder unter preußischer Regierung, zählte Heiningen im Jahre 1895 im Landkreis Goslar 515 Einwohner. Während 284 evangelisch-lutherischer Konfession waren, gehörten 231 der katholischen Kirche an, womit das Verhältnis der Konfession im Dorf annähernd paritätisch war. Zu den Katholiken in Heiningen kamen noch 95 in Burgdorf, das später den Namen Werlaburgdorf erhielt, und noch 20 katholische Christen in Altenrode hinzu; beide Dörfer waren nach Heiningen eingepfarrt. Die Anzahl der Katholiken verringerte sich jedoch im Pfarrsprengel nach der Jahrhundertwende aufgrund fehlender Arbeitsmöglichkeiten.


St. Peter & Paul - Innenansicht  

Ab 1939

Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) verschob sich die Anzahl der Gläubigen in Heiningen zunächst zugunsten beider Konfessionen; im Jahre 1946 lebten etwa 800 Katholiken und ca. 1 500 evangelische Christen im Ort. Im Bereich der katholischen Pfarrei stellten die Heimatvertriebenen aus Schlesien Oberschlesien, aus Ostpreußen und dem Sudetenland mehr als die Hälfte der Gemeindemitglieder. Der Pfarrgeistliche bot nicht nur in der St. Peter und Paulkirche vor Ort, sondern auch in der Kapelle in Altenrode Gottesdienst an; der Kapellengottesdienst wird auch heute noch an Werktagen gefeiert. Bei den heimatvertriebenen Katholiken handelte es sich hauptsächlich um landwirtschaftliche Arbeitskräfte, die in Heiningen auf Beschäftigung hofften. Da das Arbeitsplatzangebot auf dem Gut und auf den Bauernhöfen des Dorfes jedoch bei weitem nicht ausreichend war, wanderten viele der Katholiken in den nächsten Jahren in die Industriezentren des Westens ab; von 1948 bis 1958 sank daher die Gemeindegröße der Heininger Pfarrei von 1.010 auf 560.

 

Ab 1970

Die Tendenz sinkender Katholikenzahlen setzte sich bis Anfang der 70er Jahre in Heiningen fort; 1970 war die Gemeindegröße auf 380 geschrumpft. Die Zonengrenzlage des Untereichsfeldes hatte nach dem Bau der innerdeutschen Grenze im Jahre 1961 auch auf Heiningen Einfluß genommen, das, wie seine Nachbardörfer, in die in östlicher Richtung verlaufende infrastrukturelle Isolation geraten war. Die historische Orientierung des Dorfes auf Braunschweig und auf das industrielose Goslar kam erschwerend hinzu.

Zu kommunalpolitischen Neuerungen kam es 1973-1974 im Zuge der Kreis und Gebietsreform in Niedersachsen, als man Heiningen der Samtgemeinde Oderwald zuwies; letztere wurde dem Landkreis Wolfenbüttel eingegliedert. Auf die Gemeindegröße der katholischen Pfarrgemeinde hatte die kommunale Neuordnung insofern Auswirkungen, als vorübergehend hier die Anzahl der Katholiken von 1972 bis 1974 von 380 auf 400 stieg. Die Tendenz steigender Katholikenzahlen setzte sich jedoch langfristig nicht durch, so daß im Jahre 1984 nach 366 Katholiken im Seelsorgesprengel wohnten, obwohl die infrastrukturelle Anbindung der Gemeinde Heiningen z. B. in Richtung Salzgitter und Wolfsburg ausgebaut worden war. Die Ursachen dafür lagen damals in der Überalterung der Gemeindemitglieder; der Zuzug junger Familien blieb aus.

 

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