Sonntag, 20 August 2017

Joseph-Seite 1

- Geschichte -

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Entstanden aus der gleichnamigen Siedlung und dem Osten- und Westendorf, konnte Schöppenstedt sich im 9. Jahrhundert zu einem herrschaftlichen und kirchlichen Mittelpunkt entwickeln. Die Haupt- und Taufkirche St. Stephanus war vermutlich eine Gründung des Bischofs Hildegrim I. von Charlons (gestorben 827) als Verweser des Bistums Halberstadt.

Innenansicht St. JosephSchon vor der Kirchen-gründung war ein fränkischer Königshof als Verwaltungs-zentrum vermutlich in Westendorf errichtet worden. An Stelle des Hofes legte man später das Vorwerk des Domstiftes St. Blasii in Braunschweig und die Petruskapelle an. Das mit dem Königshof verbundene Gut war schon früh an die Halberstädter Bischöfe gelangt, teils - wohl durch die Grafen von Waldeck - über Bischof Thietmar an dessen Bistum Merseburg. Durch ihre Belehnung vermochten sich die Welfenherzöge seit dem 12. Jahrhundert herrschaftliche Einflüsse in Schöppenstedt zu sichern. Die Grafschaftsrechte in Schöppenstedt übertrug jedoch Kaiser Heinrich III. (1039-1056) im Jahre 1051 Bischof Ätzelin (1044-1054) von Hildesheim. In dieser Urkunde wird Schöppenstedt erstmals erwähnt als "Sciphinstete". Ebenfalls wird in der Urkunde die Pfarrstelle als "publica ecclesia"

 

1200

Ein Pfarrgeistlicher wird schließlich 1268 mit "Rodolfus plebanus" erwähnt. Das Amt des Archidiakones an St. Stephanus bekleideten oftmals Halberstädter Domherren. Ihre Befugnisse erstreckten sich auf Schöppenstedt und die dem Bann zugeordneten Gotteshäuser und Kapellen in Bansleben, Barnstorf, Berglingen, Eitzum, Holtorf, Königslutter, Neindorf, Oberlutter, Rottorf, Sambleben, Schickelsheim, Schliestedt, Schoderstedt, Sunstedt, Uehrde, Warle mit Vikarie und Watzum. Vorübergehend gehörten auch Bisdorf, Küblingen und die Burg Schliestedt dem Bann Schöppenstedt an.

Herrschaftlich und wirtschaftlich zählte Schöppenstedt zu den Siedlungen, die durch den Herzog von Braunschweig besonders privilegiert wurden. In seiner Eigenschaft als Landesherr richtete er in Schöppenstedt ein Gogericht ein und erhob den Ort zum Marktflecken. Grundherren im Dorf waren herzogliche Vasallen des Bistums Halberstadt. Schon 1238 wird Schöppenstedt, das ursprünglich aus der gleichnamigen Siedlung sowie aus dem Osten- und Westendorf um den Ost-Elm entstanden war, als villa bezeichnet. Mit dem Westendorf wurde auch die 1375 nachweisbare Petruskapelle dem Weichbild von Schöppenstedt zugeführt. Das Gotteshaus war Filialkirche der Haupt- und Taufkirche St. Stephanus. Während die Kapelle vermutlich im 16. Jahrhundert aufgegeben wurde, diente der ihr angeschlossene Friedhof noch 1750 und 1796 zur Beisetzung von Nichtbürgern.


 

1400

Besonders mit der Herstellung und dem Handel von Bier nahm Schöppenstedt wirtschaftlichen Aufschwung. Es verfügte im 14. Jahrhundert über alle wesentlichen Merkmale einer Stadt. Denn die Bürger des Ortes waren frei von grundherrlichen Diensten und Abgaben, es gab eine Ratsverfassung, und die Siedlung war befestigt. Das Privileg über zwei Jahrmärkte erhielt Schöppenstedt 1538. Das Gogericht Schöppenstedt blieb im Mittelalter jedoch unter der Verwaltung eines herzoglichen Vogtes. Wirtschaftliche Not zwang im 14. Jahrhundert den Braunschweiger Herzog wiederholt, das Gericht an die Herren von Asseburg und an die Herren von Weferlingen zu verpfänden. Im Gerichtsbezirk von Schöppenstedt lagen Bansleben, Barndorf, Berklingen, Eitzum, Küblingen, Schliestedt, Schöppenstedt, Uehrde, Warle und Watzum.

Die urkundliche Überlieferung von Groß Vahlberg aus dem Jahre 1093 hat sich als Fälschung erwiesen. Historisch gesichert sind dagegen die Nachrichten über Vahlberg aus dem 13. Jahrhundert, als man schon zwischen Groß und Klein Vahlberg unterschied. Groß Vahlberg kommt zwischen 1237 und 1248 als "de medio Valeberke" urkundlich vor. Von der Forst- und Landwirtschaft des an der Asse liegenden Dorfes profitierten die Vasallen des Herzogs von Braunschweig, das Aegidienkloster der Stadt Braunschweig und die herzogliche Stiftung der Zisterzienser in Riddagshausen. Der Zehnt war zunächst im Besitz des Bischofs von Halberstadt, später verfügten über ihn herzogliche Vasallen wie die Grafen vom Wohldenberg. Das spätere Rittergut in Groß Vahlberg ließen die Herren von Weferling bis 1601 bewirtschaften.

Während die politische Macht in Groß Vahlberg beim Herzog von Braunschweig bzw. bei seinen Vasallen lag, war kirchlich der Bischof von Halberstadt verantwortlich. Er ließ im Archidiakonat Lucklum das Gotteshaus beaufsichtigen und verwalten. An der Kirche im Dorf, deren Patrozinium unbekannt ist, wirkte zwischen 1237 und 1248 ein Pfarrgeistlicher. Die Seelsorge übte 1274 ein Priester namens Konrad aus.

 


1500

Von der Einführung der Reformation 1542 waren sowohl die Pfarrkirche in Groß Vahlberg als auch die Archidiakonatskirche St. Stephanus in Schöppenstedt betroffen. Beide Gemeinden wurden in diesem Jahr durch evangelische Geistliche im Auftrag des Schmalkaldischen Bundes visitiert, die Besitzverhältnisse geklärt und ein evangelischer Pastor eingesetzt. Auf die katholische Ordnung griff man in Schöppenstedt insofern zurück, als man hier 1542 den Sitz einer Superintendentur einrichtete. Die evangelische Konfession war jedoch damals weder in der Stadt Schöppenstedt noch in Groß Vahlberg gesichert, denn 1547 war es dem katholischen Herzog Heinrich dem Jüngeren (1514-1568) möglich, der zuvor vom Schmalkaldischen Bund aus seinem Land vertrieben worden war, in das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel zurückzukehren. Der Herzog bemühte sich zwar, die katholischen Religionsverhältnisse zu restituieren, wenngleich es ihm nur selten, wie im Fall von Schöppenstedt und Groß Vahlberg, gelang. Nachdem 1568 Herzog Julius (1568-1589) sein Regierungsamt angetreten hatte, wurden neue Kirchenvisitationen durchgeführt und evangelische Kirchenordnungen erlassen; mit seiner Hilfe konnte sich der Protestantismus im gesamten Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel endgültig durchsetzen.

1500 - 1800

Der Protestantismus blieb hier gesichert, denn der Augsburger Religionsfrieden von 1555 hatte schon mit dem Grundsatz: "cuios regio eius religio" rechtlich die Konfession des Landesherren zur Staatsreligion erklärt. Katholische Reformen seitens des Bistums Halberstadt wurden durch den Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648), in dessen Friedensschluß man das Bistum Halberstadt schließlich säkularisierte, verhindert. Das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel wurde daraufhin dem Apostolischen Vikariat zugewiesen. Im 17. und 18. Jahrhundert waren kaum Katholiken in beiden Gemeinden wohnhaft. Fehlende Arbeitsmöglichkeiten und die ausschließlich konfessionelle Ausrichtung des Fürstentums auf den Protestantismus begünstigten ihre Zuzüge in den Landgemeinden nicht. Anders in Braunschweig und Wolfenbüttel, wo sich im Zuge der Konversion Herzog Anton Ulrichs (1704-1714) katholische Missionsgemeinden Anfang des 18. Jahrhunderts entwickelten.

 


1900

Erst infolge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert gab es Veränderungen im konfessionellen Bereich der Stadt Schöppenstedt. An die Landwirtschaft gebundene Fabriken ließen sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Schöppenstedt nieder. Ihr Arbeitsplatzangebot zog auch Katholiken an, die hier ihren Wohnsitz nahmen. Die Teilnahme an der Feier der heiligen Messe in Wolfenbüttel war für sie möglich, da die Stadt schon seit 1843 an die Eisenbahnstrecke Wolfenbüttel-Oschersleben angeschlossen war. Im Jahre 1899 wurde noch die Nebenstrecke Braunschweig-Schöningen eröffnet. Wie alle Fabrikarbeiter, so waren auch die Katholiken unter ihnen streng in den Produktionsablauf der Fabriken eingebunden, der ihnen kaum Freizeit ließ. Auch aus diesem Grund wurde von Wolfenbüttel aus ein Gasthaussaal in Schöppenstedt angemietet, wo im Sommer vierzehntägig, im Winter dreiwöchentlich Messe gehalten wurde. Zu den etwa 220 in der Stadt wohnenden Katholiken kamen noch etwa 200 aus der nahen Umgebung hinzu. Da es sich damals bei Groß Vahlberg um eine fast ausschließlich bäauml;uerliche Gemeinde handelte, war hier der Zuzug von Katholiken ausgeblieben.

Parallel zur Industrialisierung, jedoch schon vor der erneuten Entwicklung einer katholischen Gemeinde in Schöppenstedt, hat es infolge verschiedener politischer Neuordnungen auch strukturelle Veränderungen gegeben, welche die Stadt betrafen. Schöppenstedt war seit 1850 dem Landkreis Wolfenbüttel eingegliedert; ein Amtsgericht wurde 1865 für den Bereich von Schöppenstedt, Beiersdorf, Gevensleben und Watenstedt in der Stadt eingerichtet.

Ende des 19. Jahrhundert war die Anzahl der in Schöppenstedt lebenden Katholiken gestiegen, welche von Wolfenbüttel aus betreut werden mußten. Erst 1907 - nach mehrfach abgelehnten Gesuch - wurde die Einstellung eines Hilfsgeistlichen genehmigt. Er durfte jedoch nur viermal Gottesdienst halten; die periodische Einrichtung einer Feier der heiligen Messe war abgelehnt worden. Im Jahre 1908 wurde im Gasthaus "Deutscher Kaiser" die erste heilige Messe nach der Reformation gehalten. 1920 wurde in Schöppenstedt ein katholisches Gotteshaus gebaut, aufgrund fehlender Mittel allerdings nur als Notkirche. In den Jahren 1926-1927 konnte die Notkirche durch einen Neubau ersetzt werden, den das Bonifatiusverein in Paderborn und Bischof Joseph Ernst (1915-1929) wirtschaftlich förderten. Der Bischof weihte am 8. Mai 1927 die Kirche zu Ehren des heiligen Josephs, seines Namenspatrons.

 


Ab 1935

Der katholische Religionsunterricht, der teilweise in den Schulen der Stadt erteilt wurde, und die Arbeit des 1912 gegründeten Männervereins in Schöppenstedt wurden zunächst reglementiert, später während der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft verboten bzw. aufgehoben. Die damaligen Machthaber führten auch strukturelle Veränderungen durch, indem sie 1938 den Ort Küblingen mit seiner aus vorreformatorischer Zeit stammenden Wallfahrtskirche St. Marien in die Stadt Schöppenstedt eingemeindeten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) änderte sich nicht nur in Schöppenstedt, sondern auch in vielen Gemeinden des Elm-Asse-Raumes die seelsorgliche Situation grundlegend, als heimatvertriebene Katholiken sich in diesem Gebiet niederließen. Fest ansässig blieben sie vor allem in Schöppenstedt, da sie hier Arbeitsmöglichkeiten fanden. Die Verkehrswege mußten in den umliegenden Dörfern ausgebaut werden, damit die Arbeitnehmer mehrere Industriebetriebe erreichen konnten. Unter dieser Voraussetzung wiesen sich Schöppenstedt und Groß Vahlberg als Gemeindeschwerpunkte aus.

 

1950 - 1960

Deshalb wurden zunächst im Jahre 1950 die Kuratie St. Joseph in Schöppenstedt und die Pfarrvikarie Groß Vahlberg eingerichtet; letztere erhielt 1951 die Marienkapelle, welche Bischof Joseph Godehard Machens (1934-1956) zu Ehren der heiligen Rosenkranzkönigin und zu Ehren der Königin des Friedens am 13. Oktober 1951 benedizierte. Während der Seelsorgesprengel der Pfarrvikarie in Schöppenstedt die Orte Schöppenstedt, Ampleben, Barnsleben, Barnsdorf, Eilum, Eitzum, Groß Dahlum, Klein Dahlum, Kneitlingen, Küblingen, Sambleben, Schliestedt, Uehrde, Warle und Watzum umfaßte, wurden der Pfarrvikarie Groß Vahlberg die Dörfer Berklingen, Dettum, Dettum-Zuckerfabrik, Hedeper, Klein Biewende, Klein Vahlberg, Mönchevahlberg, Remlingen, Semmenstedt, Timmern, Weferlingen und Wetzleben zugeteilt.

Die Kuratie St. Joseph in Schöppenstedt, deren Seelsorgesprengel die Dörfer angeschlossen wurden, die schon als Vikarie zu ihr gehört hatten, erhielt im Jahre 1956 Kirchengemeindestatus. Groß Vahlberg erhielt den Status nicht, weil sich hier seit der Einrichtung der Vikarie aufgrund fehlender Arbeitsmöglichkeiten die Katholikenzahl verringert hatte. Von 1950 bis 1960 sank die Anzahl der zu betreuenden Katholiken im Seelsorgebezirk der Vikarie von 1057 auf 670. In Schöppenstedt wurden dagegen im Jahre 1960 1125 Katholiken pastoriert. Von der Kuratie in Schöppenstedt aus wurde seit 1962 noch zusätzlicher Gottesdienst im Schloßsaal des Altenheimes in Schliestedt angeboten; im Jahre 1991 wurde hier die Gottesdienstfeier eingestellt. 

 


1970 - 1990

Von der kommunalen Neuordnung in Niedersachsen wurde Schöppenstedt insofern betroffen, als man 1974 die Gemeinden Dahlum, Kneitlingen, Uehrde, Vahlberg und Winnigstedt mit ihren Ortsteilen und die Stadt Schöppenstedt zur Samtgemeinde Schöppenstedt zusammenfaßte. Im Bereich der kirchlichen Ordnung im Elm-Asse-Raum kam es 1982 zu Umstrukturierungen. Denn am 1. Juli 1982 wurde die Kirchengemeinde St. Joseph in Schöppenstedt zur Pfarrei erhoben und ihr die Pfarrvikarie in Groß Vahlberg eingegliedert. Neben Kommunen aus der Samtgemeinde Schöppenstedt wurden der Pfarrei noch Gemeinden aus den Samtgemeinden Asse und Sickte angeschlossen. Um die Seelsorge in diesem räumlich weit gefaßten Gebiet sicherzustellen, wo im Jahre 1983 1454 Katholiken betreut wurden, feierte man die heilige Messe außer in Schöppenstedt und Groß Vahlberg von 1982 bis 1985 auch in der Dettumer Schule. Vor kurzem ist die Filialkirche in Groß Vahlberg als Gottesdienststation aufgegeben worden.

Ab 1990

Die Samtgemeinde Schöppenstedt wird gegenwärtig noch durch Landwirtschaft geprägt. Industrieunternehmungen (Chemische Fabrik, Anlagen- und Gerätebau, Werkzeugbau, Aluminium- und Eisengießerei, Kunststoffartikelfertigung usw.) finden sich ausschließlich in der Stadt Schöppenstedt. Die wirtschaftliche Ausrichtung der Samtgemeinde auf das Stadtzentrum erschwerte die Wirtschaftslage deutlich; im Zuge konjunktureller Einbrüche lag die Arbeitslosenquote hoch. Die Förderung des Fremdenverkehrs im Bereich des Naturparks Elm konnte hier keinen Ausgleich schaffen. Unter dem Einfluß konjunktureller Schwankungen im Wirtschaftsbereich, aber auch durch Kirchenaustritte und Überalterung der Gemeindemitglieder bedingt, sank von 1990 bis 1995 die Katholikenzahl in der Pfarrei St. Joseph von 1513 auf 1349.