Dienstag, 12 Dezember 2017

Joseph-Seite 1

1900

Erst infolge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert gab es Veränderungen im konfessionellen Bereich der Stadt Schöppenstedt. An die Landwirtschaft gebundene Fabriken ließen sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Schöppenstedt nieder. Ihr Arbeitsplatzangebot zog auch Katholiken an, die hier ihren Wohnsitz nahmen. Die Teilnahme an der Feier der heiligen Messe in Wolfenbüttel war für sie möglich, da die Stadt schon seit 1843 an die Eisenbahnstrecke Wolfenbüttel-Oschersleben angeschlossen war. Im Jahre 1899 wurde noch die Nebenstrecke Braunschweig-Schöningen eröffnet. Wie alle Fabrikarbeiter, so waren auch die Katholiken unter ihnen streng in den Produktionsablauf der Fabriken eingebunden, der ihnen kaum Freizeit ließ. Auch aus diesem Grund wurde von Wolfenbüttel aus ein Gasthaussaal in Schöppenstedt angemietet, wo im Sommer vierzehntägig, im Winter dreiwöchentlich Messe gehalten wurde. Zu den etwa 220 in der Stadt wohnenden Katholiken kamen noch etwa 200 aus der nahen Umgebung hinzu. Da es sich damals bei Groß Vahlberg um eine fast ausschließlich bäauml;uerliche Gemeinde handelte, war hier der Zuzug von Katholiken ausgeblieben.

Parallel zur Industrialisierung, jedoch schon vor der erneuten Entwicklung einer katholischen Gemeinde in Schöppenstedt, hat es infolge verschiedener politischer Neuordnungen auch strukturelle Veränderungen gegeben, welche die Stadt betrafen. Schöppenstedt war seit 1850 dem Landkreis Wolfenbüttel eingegliedert; ein Amtsgericht wurde 1865 für den Bereich von Schöppenstedt, Beiersdorf, Gevensleben und Watenstedt in der Stadt eingerichtet.

Ende des 19. Jahrhundert war die Anzahl der in Schöppenstedt lebenden Katholiken gestiegen, welche von Wolfenbüttel aus betreut werden mußten. Erst 1907 - nach mehrfach abgelehnten Gesuch - wurde die Einstellung eines Hilfsgeistlichen genehmigt. Er durfte jedoch nur viermal Gottesdienst halten; die periodische Einrichtung einer Feier der heiligen Messe war abgelehnt worden. Im Jahre 1908 wurde im Gasthaus "Deutscher Kaiser" die erste heilige Messe nach der Reformation gehalten. 1920 wurde in Schöppenstedt ein katholisches Gotteshaus gebaut, aufgrund fehlender Mittel allerdings nur als Notkirche. In den Jahren 1926-1927 konnte die Notkirche durch einen Neubau ersetzt werden, den das Bonifatiusverein in Paderborn und Bischof Joseph Ernst (1915-1929) wirtschaftlich förderten. Der Bischof weihte am 8. Mai 1927 die Kirche zu Ehren des heiligen Josephs, seines Namenspatrons.