Sonntag, 20 August 2017

Joseph-Seite 1

1500

Von der Einführung der Reformation 1542 waren sowohl die Pfarrkirche in Groß Vahlberg als auch die Archidiakonatskirche St. Stephanus in Schöppenstedt betroffen. Beide Gemeinden wurden in diesem Jahr durch evangelische Geistliche im Auftrag des Schmalkaldischen Bundes visitiert, die Besitzverhältnisse geklärt und ein evangelischer Pastor eingesetzt. Auf die katholische Ordnung griff man in Schöppenstedt insofern zurück, als man hier 1542 den Sitz einer Superintendentur einrichtete. Die evangelische Konfession war jedoch damals weder in der Stadt Schöppenstedt noch in Groß Vahlberg gesichert, denn 1547 war es dem katholischen Herzog Heinrich dem Jüngeren (1514-1568) möglich, der zuvor vom Schmalkaldischen Bund aus seinem Land vertrieben worden war, in das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel zurückzukehren. Der Herzog bemühte sich zwar, die katholischen Religionsverhältnisse zu restituieren, wenngleich es ihm nur selten, wie im Fall von Schöppenstedt und Groß Vahlberg, gelang. Nachdem 1568 Herzog Julius (1568-1589) sein Regierungsamt angetreten hatte, wurden neue Kirchenvisitationen durchgeführt und evangelische Kirchenordnungen erlassen; mit seiner Hilfe konnte sich der Protestantismus im gesamten Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel endgültig durchsetzen.

1500 - 1800

Der Protestantismus blieb hier gesichert, denn der Augsburger Religionsfrieden von 1555 hatte schon mit dem Grundsatz: "cuios regio eius religio" rechtlich die Konfession des Landesherren zur Staatsreligion erklärt. Katholische Reformen seitens des Bistums Halberstadt wurden durch den Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648), in dessen Friedensschluß man das Bistum Halberstadt schließlich säkularisierte, verhindert. Das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel wurde daraufhin dem Apostolischen Vikariat zugewiesen. Im 17. und 18. Jahrhundert waren kaum Katholiken in beiden Gemeinden wohnhaft. Fehlende Arbeitsmöglichkeiten und die ausschließlich konfessionelle Ausrichtung des Fürstentums auf den Protestantismus begünstigten ihre Zuzüge in den Landgemeinden nicht. Anders in Braunschweig und Wolfenbüttel, wo sich im Zuge der Konversion Herzog Anton Ulrichs (1704-1714) katholische Missionsgemeinden Anfang des 18. Jahrhunderts entwickelten.