Mittwoch, 28 Juni 2017

Kaplan Andreas Mühlbauer

Kaplan Andreas Mühlbauer

Liebe Wolfenbütteler,

liebe Dorstädter, Heininger und Schöppenstedter, ich heiße Andreas Mühlbauer, bin 40 Jahre alt, wurde am 14. Mai 2016 zum Priester geweiht und bin seit August 2016 bei Ihnen als Kaplan tätig.

Bereits am Tag meiner Priesterweihe habe ich viele Glückwünsche aus Wolfenbüttel bekommen. Spätestens da war mir klar: In Wolfenbüttel und Umgebung muss es sich herumgesprochen haben, dass Ihr Pfarrteam ab dem Sommer von einem Kaplan unterstützt werden soll.

Ich komme gebürtig aus Gifhorn, wo ich die Schule besucht und meinen Zivildienst geleistet habe. Weil der „Junge etwas Anständiges im Leben lernen“ sollte, habe ich bei der Deutschen Bahn eine Ausbildung zum Fachwirt für den Bahnbetrieb gemacht. In dieser Zeit bin ich auf den Loks mitgefahren, habe den einen oder anderen Zug gekuppelt und vom Stellwerk aus Weichen gestellt. Später musste ich mich durch die Theorie von Personal- und Rechnungswesen quälen und lernen, Fahrpläne zu berechnen. Im Beruf habe ich 7 Jahre lang Baustellen im Großbereich Hannover angemeldet und geplant.

Von klein auf war ich bei den Pfadfindern, später habe ich daheim in der Kirchgemeinde mitgearbeitet: als Lektor und Kommunionhelfer, in der Firmvorbereitung, beim Basteln mit den Kindern und einfach auch dort, wo jemand gebraucht wurde. Als Mitglied im Pfarrgemeinderat musste ich erfahren, was es bedeutet, wenn Gemeinden zusammengelegt werden. Nach einem Glaubenskurs und einem Klosteraufenthalt wagte ich 2008 einen Neuanfang, bin ins Priesterseminar eingetreten und habe Theologie in Frankfurt und Erfurt studiert.

In Erfurt habe ich eine Form von Diaspora erlebt, die selbst mich Nordlicht überraschte: Das Gegenteil von katholisch bedeutet nicht evangelisch oder vielleicht muslimisch, sondern eine Lebensorientierung ohne Religion. 40 Jahre staatlich verordneter Atheismus haben dort tiefe Spuren hinterlassen. Im Osten unseres Landes gehört man einer Minderheit an, wenn man sich zu einer christlichen Konfession bekennt. Eine Erfahrung, die auch den letzten Katholikentag in Leipzig prägte. In Erfurt habe ich aber auch ein bewusstes Katholisch-Sein und den Mut zu pastoraltheologischen Projekten erlebt, die gezielt den Anschluss an ein nichtchristliches Umfeld suchen.

Während des Pastoralkurses in Hamburg prasselte die Theorie des Alltags einer Pfarrgemeinde auf uns herein. Trocken haben wir es im Kreis von 7 Weihekandidaten vor der Diakonenweihe geübt: das Taufen, Trauen und Predigen. In meinem Diakonat in Stadthagen folgte dann die Praxis auf dem Fuße, sozusagen der„Ernstfall“. Nach meiner Priesterweihe werde ich nun bald bei Ihnen in und um Wolfenbüttel als Kaplan beginnen.

Was ich mir im Diakonat erarbeitet habe, werde ich in den kommenden Jahren festigen müssen. Für mich gilt es jetzt, in den Dienst des Priesters hineinzuwachsen. Ich komme also nicht als fertiger Experte zu Ihnen. Ich würde mich freuen, von Ihnen offen aufgenommen zu werden. Für ein kritisches und ehrliches Wort, bin ich immer dankbar.

Andreas Mühlbauer