Sonntag, 20 August 2017

 

DAS WORT ZUM SONNTAG

Braunschweiger Zeitung vom 18.11.2006

Als Chef kein Schwein sein

Als Chef musst du ein Schwein sein! Mit dieser kernigen Behauptung begann am vergangenen Dienstag ein ehemaliger Manager eines großen deutschen Automobilherstellers sein Eingangsstatement in einer Diskussionsrunde bei Frau Maischberger zum Thema Mobbing.

Ich war doch sehr erstaunt, dass es zwar die ein oder andere kritische Rückfrage zu dieser Aussage gab, dass ihr aber eigentlich kaum etwas Gehaltvolles entgegengebracht wurde. Der Manager begründete seinen Ausspruch damit, dass der Konkurrenzkampf mittlerweile so stark geworden ist, dass Menschen in Führungspositionen eigentlich gar nichts Weiteres übrig bleibt, als diesen Druck weiterzugeben und sich den Gesetzen des Marktes zu beugen.


Pfarrer Matthias Eggers,
Wolfenbüttel, St. Petrus

Eine solche Bankrotterklärung gegenüber den grundlegenden Prinzipien der Menschlichkeit - auch am Arbeitsplatz - ist nicht nur ärgerlich, sondern für das friedliche Zusammenleben einer Gesellschaft gefährlich. Wenn Menschen, die hohe Verantwortung gegenüber vielen Menschen besitzen, sich nur noch den Gesetzen des Marktes verpflichtet fühlen, kann es zwar sein, dass sie ihrem Unternehmen dazu verhelfen schwarze Zahlen zu schreiben, ihrer wahren Verantwortung werden sie damit nicht gerecht.

Sicher stehen Menschen in Führungspositionen unter dem Druck der Konkurrenz, und sie sind auch immer wieder gezwungen Entscheidungen zu treffen, die unbequem sind und die sie eben selber manchmal „kaum verantworten" können. Aber all diese Zwänge können kein Freibrief dafür sein, dass ein „Chef' aus seiner Verantwortung und Fürsorge gegenüber den ihm anvertrauten Menschen entlassen wird.

Es gehört zu den großen Missverständnissen des Menschseins aus Gegebenheiten, hier zum Beispiel dem Druck, dem ein Manager unterliegt, einen Maßstab zu formulieren: „Als Chef musst du ein Schwein sein"

Sprache bildet Bewusstsein und deshalb ist zu sagen: Ein Chef sollte niemals ein „Schwein" sein, vor allem dann nicht, wenn er Entscheidungen treffen muss, die zu Lasten anderer gehen.

Zum Glück gibt es in unserer Gesellschaft noch genügend Unternehmer und Unternehmerinnen, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind, sie entscheiden sich zu einem Führungsstil, der nicht in erster Linie von Misstrauen, Druck und Überkontrolle geprägt ist. Sondern sie schenken ihren Mitarbeitern Vertrauen und Mitverantwortung.

Viele tun dies auch aus wirtschaftlichem Interesse. Wer das Gute im Menschen anspricht, lockt es auch in ihm hervor. Er motiviert den Mitarbeiter damit mehr als durch Kritik und Kontrolle.

Text ©Braunschweiger Zeitung 2006, Foto: privat