Samstag, 21 Oktober 2017

 

DAS WORT ZUM SONNTAG

Braunschweiger Zeitung vom 18.02.2006

Füreinander einstehen

"Als Jesus ihren Glauben sah...": An diesem Sonntag lesen wir in den katholischen Kirchen die Erzählung von der Heilung eines Gelähmten durch Jesus (Markus 3.1-12). Eine anschauliche Szene: Jesus predigt in einem überfüllten Haus.

Vier Leute bringen einen Gelähmten. Da sie nicht zu Jesus vordringen können, decken sie kurzerhand das Dach ab und lassen ihn vor Jesus herunter.

Der erkennt ihn in ihrem Handeln und Glauben, vergibt und heilt. Staunen bei allen, die es erleben.

Ereignisse unserer Tage gehen mir durch den Kopf: seit Wochen entführte Deutsche im Irak, Empörung in der islamischen Welt über Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen, die Vogelgrippe in Deutschland angekommen. Gibt es eine Verbindung zum Bibeltext?


Gerd Olschewski,
Pfarrer in St. Petrus, WF

Die oben genannte Erzählung aus dem Markus-Evangelium hat einen zentralen Punkt: Solidarität. Vier Menschen fühlen sich dem Kranken so verbunden, dass sie nicht nachlassen in ihrem Bemühen, ihm zu helfen.

Jesus macht sich eins mit ihnen und dem Gelähmten - und hilft.
Bleiben wir solidarisch mit den Entführten, oder sagen wir: "Selber schuld"?

Haben wir wirklich genug nach Solidarität mit den Menschen islamischer Länder gesucht, oder denken wir: "Gleicht euch erst mal unseren Standards an!"? Droht nun eine Pandemie, oder glauben wir: "Alles weit weg, uns kann nichts passieren!"?

Wenn wir Gottes Solidarität mit uns in unseren Problemen suchen, wird er danach schauen, ob wir bereit sind, miteinander füreinander einzustehen.

Gott ist nun mal einer, der uns als Gemeinschaft sehen möchte. Das ist doch eigentlich gut so.

Und wenn wir uns Menschen als Gemeinschaft betrachten und handeln, kann auch heute Staunenswertes mit seiner Hilfe geschehen.

Text ©Braunschweiger Zeitung 2006, Foto: privat