Samstag, 21 Oktober 2017

DAS WORT ZUM SONNTAG

Braunschweiger Zeitung vom 31.05.2008

Wenn der Boden wankt

Wer sich seine Vorstellungen oder sogar seinen Traum erfüllt hat, ein Haus zu bauen, der kennt vielleicht das stolze Gefühl, es geschafft- zu haben. Ein solides Gebäude soll es sein, es soll Sicherheit und Zuflucht bieten - einem selbst und der Familie ein Zuhause geben.

Das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit lässt einen sorgloser in die Zukunft blicken. Umso mehr kann man sich die Sorge vorstellen bei allen Menschen, die ihr Haus verloren haben. Menschen in China fliehen auf die Straße, weil sie in ihrem Haus nicht mehr sicher sein können. Andere haben in den Trümmern ihres Hauses nicht nur ihre Zukunft, sondern auch ihr Leben verloren.

Wir brauchen festem Boden unter den Füßen, um leben zu können. Wir brauchen einen Ort, der sicher ist, der letztendlich Zuflucht, Geborgenheit und Sicherheit geben kann. Nicht selten wird auch Menschen, die nicht in Katastrophengebieten wohnen, sondern zu unserem nächsten Bekanntenkreis gehören, der Boden regelrecht unter den Füßen weggezogen. Vielleicht durch eine Krise, eine erschütternde Nachricht oder durch ein traumatisches Ereignis.


Markus Galonska,
Gemeindereferent
St. Petrus, WF

Alles gerät ins Wanken: Der Glaube an eine sichere Zukunft, der Glaube an ein geschütztes Leben, der Glaube an Gerechtigkeit, der Glaube an Gott.

im Matthäus-Evangelium spricht Jesus von dem Glauben an Gott, der so fest sein soll wie das Haus eines klugen Mannes, das auf Felsen nicht auf Sand gebaut ist. So manches Mal habe ich mich als Seelsorger schon gefragt, worauf ich mich felsenfest verlassen kann. Denn Grund, manchmal den Mut zu verlieren, gäbe es bestimmt genug.

Allerdings gibt es auch genug Beispiele aus der Bibel, dass Gott uns seine Nähe nicht dadurch zeigt, dass er adle Stürme und Beben von uns ferne hielte. Durch viele Katastrophen hindurch hat das Volk Gottes dennoch an dem Glauben an Gott Jahwe - der Gott mit uns - festgehalten. Für gläubige Menschen ist dieser Glaube an Gott ein sicheres Zuhause. Was nicht heißt, dass im Glauben sofort alles (s)einen Sinn bekommt.

Selbst im stärksten Glauben kann der Boden ins Wanken geraten und der Blick eng wie ein Tunnel werden.

Wer Menschen in einer Krise begleitet, hat die Möglichkeit, trotz aller Sinnlosigkeit mit seinem eigenen Glauben die Hoffnung auf Gott, auf seine Nähe und Begleitung für einige Zeit aufzubewahren - quasi wie ein Container - um den Glauben als wichtige Ressource später wieder zurückzugeben.

So kann er in Zukunft wieder als Zuhause für das Leben dienen. Ein Zuhause, das auf einem felsenfesten Fundament steht.

Text ©Braunschweiger Zeitung 2008, Foto: privat