Samstag, 24 Juni 2017

DAS WORT ZUM SONNTAG

Braunschweiger Zeitung vom 06.09.2008

Vom Glauben an Gott

"Glauben kann ich auch für mich alleine. Dafür brauche ich keine Kirche." Auf diesen Standpunkt treffe ich bei vielen Menschen, mit denen ich ins Gespräche komme über die Beziehung zum Glauben an Gott.

Es sind Gespräche, die mir deutlich machen, wie vielfältig sich Glaube in meiner Umgebung ausprägt und ausdrückt. Der Bezug zu einer (Kirchen-)Gemeinde wird ganz unterschiedlich bewertet. Für manche bietet sie eine willkommene und tragende Gemeinschaft, manche sehen gerade in einer Gemeinde die Möglichkeit, den Glauben in der Gottesfeier zum Ausdruck zu bringen. Andere sind enttäuscht von Seelsorgern oder Gemeindemitgliedern, und/oder sie haben den Bezug zur sonntäglichen Feier als Ausdruck ihres Glaubens verloren.


Markus Galonska,
Gemeindereferent
St. Petrus, WF

Und dennoch, alle haben gemeinsam den Glauben an Gott, den Jesus Christus seinen Jüngern mitgegeben hat und an dem sich die meisten Menschen in unserer Gesellschaft - die von sich sagen, sie seien religiös - orientieren.

Jesus selbst macht seinen Jüngern im Matthäus-Evangelium (Kap. 18) deutlich, dass die Gemeinschaft wichtig ist, in der wir aufeinander achten und Verantwortung füreinander tragen. In dieser Gemeinschaft gestalten wir das Reich Gottes auf der Erde.

Häufig begegne ich genau da dem Einwand, "Gutes kann ich auch für mich alleine tun. Wozu brauche ich da eine Gemeinschaft?" Auf jeden Fall ist das so: Gutes kann jeder auch alleine für sich tun.

Um nach christlichen Maßstäben zu leben, brauche ich auch nicht den christlichen Glauben als Voraussetzung. Religiöse Menschen sind durch ihr Glaubensbekenntnis nicht besser als nicht-religiös orientierte Menschen.

Es liegt allein in der eigenen Deutung meines Tuns. "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." Das ist die Vorstellung Jesu, dass er mit seiner Lehre über Gott und seinem Reich weiterhin lebendig bleibt. Vorausgesetzt, es ist etwas Kostbares, Wichtiges und Heiliges, dass des Glaube an Gott lebendig bleibt und weitergegeben wird. Dann kann dies tatsächlich nur geschehen, wenn wir "in seinem Namen" zusammen sind. Wenn auch anderen deutlich wird: So ist das Reich Gottes auf der Erde zu verstehen.

Aus diesem Grund gibt es Menschen, die im Namen Gottes Verantwortung füreinander übernehmen - sei es in der Suppenküche, in Eine-Welt-Projekten oder in der aktiven Weitergabe des Glaubens in Taufkatechese, Erstkommunion, Konfirmation/Firmung, Erwachsenenkatechumenat und vielen anderen gemeindlichen Projekten und Gruppen.

Sie alle übernehmen den Auftrag - auch stellvertretend für alle, denen das nicht möglich ist - Jesus in ihrem Reden und Handeln lebendig erlebbar werden zu lassen.

Text ©Braunschweiger Zeitung 2008, Foto: privat