Samstag, 24 Juni 2017

DAS WORT ZUM SONNTAG

Braunschweiger Zeitung vom 31.12.2008

Zwei Seiten der Krise

Das Wort Krise drängt sich in diesen Tagen und Wochen mit aller Macht immer mehr in unser Bewusstsein - so dass manch einer es schon gar nicht mehr hören mag.

Festzuhalten ist, dass keiner überblicken kann, wie weit die Abwärtsspirale, die durch den Zusammenbruch der Finanzmärkte ausgelöst wurde, um sich greifen wird.

Das Wort Krise kommt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie unterscheiden oder Wendepunkt. Eine Krise ist gleichzeitig auch immer eine Zeit der Unterbrechung, des Gewöhnlichen und Selbstverständlichen. So hat jede angekündigte Krise zwei Seiten.


Pfarrer Matthias Eggers,
Wolfenbüttel, St. Petrus

Zum einen verbreitet sich Verunsicherung, und Ängste steigen auf. Auf der anderen Seite bietet sie die Gelegenheit zum Innehalten, zum tieferen Nachdenken und zur Neuausrichtung.

In Zeiten der Krise sind Grundsatzentscheidungen, Kompromisse und Veränderungen möglich, wie zu kaum einem anderen Zeitpunkt, denn Not lehrt nicht nur Beten, sondern auch Handeln.

Im Kontext der Heiligen Schrift kommen Krisenzeiten daher ebenso eine besondere Bedeutung zu. Sie beschreibt die Erfahrung von Krisen in ihrer ganzen Vielschichtigkeit.

Oft ist es sogar Gott selbst, der sein Volk in die Krise hineinführt, wie man am Beispiel von Abraham und Mose sehen kann.

In persönlichen Krisenzeiten stellt sich insbesondere die Frage, was gibt mir wirklichen Halt in meinem Leben, woran mache ich mich fest, was ist das Fundament meines Lebens, wo liegen meine Quellen des Vertrauens?

Verstehen Sie mich nicht falsch, es geht mir nicht darum, die Krisen einfach „heilig" zu sprechen.

Es bleibt unsere Pflicht, alles Mögliche zu tun, um menschliche Not zu verhindern. Und jene, die ihrer Verantwortung nicht gerecht wurden, müssen auch zur Rechenschaft gezogen werden.

Für das Jahr 2009 gilt es aber trotz vieler Hiobsbotschaften, die Herausforderungen mit erhobenem Haupt anzunehmen.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Jahr 2009.

Text ©Braunschweiger Zeitung 2008, Foto: privat