Dienstag, 12 Dezember 2017

DAS WORT ZUM SONNTAG

Braunschweiger Zeitung vom 01.11.2008

Dienst für die Gemeinschaft

In diesen Tagen erleben wir, wie eine Wirtschaftskrise die Welt verändert. Schon jetzt spüren insbesondere Eltern die Angst und die Sorge um ihren Arbeitsplatz. Immobilien, die die Rente sichern sollten, verlieren an Wert, und Arbeitgeber kommen in die Bedrängnis, Mitarbeiter entlassen zu müssen. Der Ursprung dieser Krise, da scheinen sich viele einig, liegt nicht in erster Linie in wirtschaftspolitischen Programmen und Aktivitäten, sondern in den Herzen vieler Menschen.

Selten hat man das Wort "Gier" so oft gebärt. Dass sich in unserer aufgeklärten und toleranten Gesellschaft die "Gier" so ausbreiten kann, hat etwas zu tun mit dem inneren Selbstverständnis, den Bildern und Werten, die wir in uns tragen und die uns oft unbewusst prägen. Grundlegend für die Haltung der Gier ist die Überzeugung, dass jeder die Aufgabe hat, das Beste für sich aus dem eigenen Leben herauszuholen und sich selbst zu verwirklichen.


Pfarrer Matthias Eggers,
Wolfenbüttel, St. Petrus

Aber wir Menschen sind nicht für uns selbst geschaffen, sondern auf Gemeinschaft hin angelegt, deshalb brauchen wir auch innere Bilder und Orientierungsmuster, in denen sich diese Wahrheit widerspiegelt. Im christlichen Verständnis liegt der Sinn des Lebens nicht darin, die eigenen Begabungen und Fähigkeiten so zu entwickeln, dass wir selbst am meisten davon profitieren. Sinn leuchtet uns vielmehr dort auf, wo wir uns mit unseren Fähigkeiten und Begabungen im Dienst für die Gemeinschaft verwirklichen können. Dort, wo wir zum Heil der anderen etwas beitragen, bewahren wir nicht nur das Heil in unserer Umgebung, sondern auch das Heil in unserem Herzen und zwar bis hinein in die Ewigkeit.

Letztlich ist es diese Wahrheit, die den inneren Kern vom Fest Allerheiligen ausmacht, das die Katholische Kirche Samstag feiert. Im Mittelpunkt steht nicht so sehr eine konfessionelle Eigenheit beziehungsweise die in der Kirche über Jahrhunderte entwickelte Tradition der Heiligenverehrung. Im Mittelpunkt steht vielmehr die feste Überzeugung, dass die Gläubigen und die Gott Suchenden aller Zeiten eine große Gemeinschaft bilden und wir alle von Gott berufen sind, das Unsere dazu beizutragen, dass wir alle das Heil finden, schon hier auf Erden, aber auch für die Ewigkeit bei Gott.

Im Entdecken unserer gemeinsamen Berufung zur Heiligkeit und zur Gemeinschaft, finden wir die innere Überzeugung und das innere Bild, das nicht nur uns selbst auf die Wege des Heils führt, sondern auch unsere Welt.

Text ©Braunschweiger Zeitung 2008, Foto: privat