Sonntag, 20 August 2017

DAS WORT ZUM SONNTAG

Braunschweiger Zeitung vom 10.11.2007

Taugliche Zeichen setzen

Im Monat November erinnert sich die Kirche, besonders die katholische, auffällig vieler heiliger Menschen, die, obwohl sie oft vor vielen Jahrhunderten lebten, dennoch auch heutigen modernen Menschen bekannt sind. Wer kennt nicht den heiligen Martin von Tours (Gedenktag 11.11.), den heiligen Nikolaus (6.12,) oder Elisabeth von Thüringen (19.11.).

Was hatten diese Menschen an sich, dass wir sie heute nach kennen und sie als Vorbilder für ein gelungenes Leben aus dem Glauben feiern? Ein afrikanisches Märchen soll helfen, dieser Trage nachzugehen.

Ein Mann schickte seine beiden Söhne Tambu und Rafiki mit dem Auftrag „Hinterlasst Zeichen auf eurem Weg" hinaus, um sich in den Dörfern der Umgebung umzusehen. Tambu begann, Zeichen auf dem Weg zu hinterlassen, indem er Knoten in Grasbüschel knüpfte und Zweige an Büschen knickte.

Sein Bruder Rafiki ging in die Dörfer, sprach mit den Menschen, hörte ihnen zu, aß mit ihnen, feierte mit ihnen, schloss Freundschaften. Kurz: Er nahm Anteil an ihrem Leben.


Dietlinde Schulze,
Gemeindereferentin
St. Petrus, WF

Als die beiden Brüder dem Vater von ihren Erlebnissen erzählten, machte dieser sich mit ihnen auf den Weg. Überall wurde Rafiki mit seinem Vater herzlich aufgenommen, Tambu aber kannte kein Mensch. „Ich verstehe nicht, warum mich keiner kennt", sagte Tambu.

Der Vater antwortet: „Es gibt noch andere Leichen als Grasbüschel, mein Kind: Das sind Zeichen, die ein Mensch in den Herzen anderer Menschen hinterlässt, wenn er zu ihnen geht, mit ihnen spricht und ihnen seine Freundschaft zeigt. Solche Zeichen in den Herzen der Menschen bleiben, wenn die Grasbüschel längst von Tieren gefressen oder vom Wind weggetragen sind."

Für mich sind Heilige Menschen, die es damals verstanden und auch heute verstehen, unvergängliche Zeichen zu setzen. Zeichen, die deutlich machen, dass Gott sich den Menschen liebevoll zuwendet und wir Menschen dazu berufen sind, es ihm gleich zu tun.

Aber wie steht es mit der praktischen Umsetzung dieser Berufung bei mir - oder bei Ihnen? Allzu oft sind es doch eher Grasbüschel-Zeichen, die wir da knüpfen. Eigentlich Nebensächliches plustert sich auf und hetzt uns durch den Alltag.

Ich stelle mir vor, wie das sein könnte: Ich stehe vor Gott, meinem Herrn, und er geht meinen Lebensweg mit mir noch einmal ab, damit ich ihm die Zeichen zeigen kann, die ich gesetzt habe. Jeder neue Tag, den Gott uns schenkt, ist eine neue Chance, bleibende, „ewigkeits-taugliche" Zeichen zu setzen.

Text ©Braunschweiger Zeitung 2007, Foto: privat