Sonntag, 20 August 2017

DAS WORT ZUM SONNTAG

Braunschweiger Zeitung vom 26.05.2007

Verborgene Kraft Gottes feiern und Herzen öffnen

Auf dem Weg nach oben sind Menschen immer wieder bereit, manch fragwürdige Richtung einzuschlagen.

Die Versuchung, ganz vorne dabei sein zu können, ist häufig sehr verlockend. Die deutsche Öffentlichkeit ist in diesen Tagen Zeuge davon geworden, unter welchem Druck offensichtlich viele Leistungssportler stehen und wie schwer es ist, einem solchem Druck standzuhalten.

Hier zeigt sich etwas von den enormen Erwartungen, die in unterschiedlichen Formen auf vielen Menschen lasten und zu Entscheidungen treiben, von denen sie eigentlich wissen, dass sie falsch sind.

Nicht selten sind es nicht die Erwartungen, die andere an uns haben, sondern die wir selbst an uns haben. Diese Versuchungen sind so alt wie die Menschheit selbst.


Pfarrer Matthias Eggers,
Wolfenbüttel, St. Petrus

In der heiligen Schrift ist der Turmbau zu Babel ein Sinnbild für die menschliche Versuchung, sich selbst zu erhöhen. In dieser Erzählung wird beschrieben, wie der Turmbau dazu führt, dass die Menschen unterschiedliche Sprachen sprechen und sich nicht mehr verstehen können. Hier wird letztlich eine Dynamik beschrieben, die unser menschliches Zusammenleben gefährdet und Beziehungen bedroht.

Die Selbstsucht und der Versuch sich über andere zu erhöhen, entzweien und stiften Verwirrung.

Dies geschieht aber zumeist unmerklich und unbewusst. Die eigene Suche nach Anerkennung und Geltung kann die eigene Wahrnehmung trüben und führt dazu, dass wir nicht mehr offen und aufmerksam sind für die Nöte und Anliegen der Menschen in unserer Umgebung.

Es wird immer schwieriger, den anderen zu verstehen und anzunehmen. Missverständnisse schleichen sich ein und führen zu Verletzungen.
Diese Verletzungen trüben die Wahrnehmung noch stärker, und irgendwann kann es dazu kommen, dass nur noch eisiges Schweigen bleibt. Wie viele unserer Konflikte und Verständigungsprobleme haben in der Tiefe etwas mit unserer übertriebenen Suche nach Anerkennung und Geltung zu tun?

Gottes Geist durchbricht das Schweigen. Denn er schenkt uns die Antwort auf die tiefste Frage unseres Herzens: Bin ich wertvoll, bin ich geliebt?
Deshalb wird der Geist Gottes auch bezeichnet als Geist des Trostes und der Wahrheit.

Diese Kraft Gottes können wir nicht sehen, und sie ist auch nicht einfach zu spüren.
Umso wichtiger ist es, dass wir davon sprechen und diese verborgene Kraft Gottes feiern und unsere Herzen dafür öffnen - das ist Pfingsten.

Text ©Braunschweiger Zeitung 2007, Foto: privat