Donnerstag, 25 Mai 2017

DAS WORT ZUM SONNTAG

Braunschweiger Zeitung vom 10.01.2009

Alltäglicher "Herzenschein"

Mein Neffe Fynn (drei Jahre jung) war ganz begeistert von der besonderen Gestaltung der Vorweihnachtszeit, die er wohl zum ersten Mal bewusst miterlebt hat. Besonders hatten es ihm die Lieder angetan, die zu Hause, im Kindergarten oder in der Kirche gesungen wurden. Am zweiten Weihnachtstag konnte sich die gesamte Familie an seiner Begeisterung erfreuen.

Nachhaltigkeit von Festen

Allerdings hatte er einige Textänderungen vorgenommen, die uns schmunzeln ließen. Denn immer, wenn vom "Kerzenschein" die Rede war, sang er lauthals "Herzenschein". Manche Familienmitglieder verbesserten ihn, andere fanden es einfach nur niedlich.

Doch hatte Fynn da wirklich etwas falsch verstanden? Das Weihnachtsfest ist vorbei, die Kerzen sind längst heruntergebrannt und/oder die Lichterketten wieder im Keller verstaut, der Baum liegt bereit für die Müllabfuhr. Viele der heiß ersehnten Geschenke stehen schon längst nicht mehr im Mittelpunkt.


Dietlinde Schulze,
Gemeindereferentin
St. Petrus, WF

War ja auch wirklich alles ganz schön und nett, aber nun ist es vorbei, was die meisten von uns doch aus den verschiedensten Gründen auch mit Erleichterung erfüllt.

Bleibt eigentlich nichts von diesem Fest übrig? Hat es gar keine Nachhaltigkeit?

Ich glaube, dass der "Erfinder" dieses Festes anderes im Sinn hatte. Er sandte seinen Sohn zu uns Menschen auf die Erde; um uns mehr zu geben als ein paar freie Tage mit gutem Essen, mehr oder  weniger friedlichen Familientreffen und schönen Geschenken.

Unsere Feste sind zumeist auf die Zukunft gerichtet. Mit der Taufe beginnt das Leben in christlicher Gemeinschaft, zum Geburtstag wünscht man Glück für das nächste Lebensjahr, eine Hochzeit steht für den Beginn einer besonderen Zweierbeziehung, bei Firmung und Konfirmation erklären junge Menschen ihre Bereitschaft, ihren Glauben an Gott in ihre Lebensplanung mit einzubeziehen.

Und wie steht es mit dem Weihnachtsfest?

Herzen für Gott öffnen

Auch dieses Fest kann für die Zukunft bedeutsam sein, wenn es uns gelingt, den weihnachtlichen Kerzenschein in alltäglichen „Herzenschein" zu verwandeln. Wenn wir unsere Herzen über den Dezember hinaus für Gott öffnen, für seine Wunder; für seine Zuwendung und Liebe, aber auch für seine Anfragen und Aufträge an uns, für die Menschen, die er unseren Weg kreuzen lässt, dann leuchtet sein Licht auch in und durch uns.

So freigiebig und großzügig, herzlich und mitfühlend wie im Advent dürfen wir auch von Januar bis November sein.

Text ©Braunschweiger Zeitung 2009, Foto: privat

 

Gemeindelinks

Veranstaltungsübersicht