Montag, 24 April 2017

Anton Ulrich Herzog zu Braunschweig-Lüneburg

Anton Ulrich - Der Christ

Die Frage, was bewegt einen 77 Jahre alten Mann dazu, seine Konfession zu wechseln, haben sich schon seine Zeitgenossen gestellt.

Es konnte nicht eindeutig geklärt werden, ob echtes religiöses Verlangen, barockes Selbstgefühl oder das Hoffen auf politische Vorteile seine Motivation waren.

Sicherlich war es eine Mischung aus vielen Gründen und vielleicht könnte man sagen, er hat seine Konfession, aber nicht seinen Glauben gewechselt.

Mit seiner Entscheidung stand er allerdings nicht allein. Im 17. Jahrhundert gab es zahlreiche Übertritte vom Protestantismus zur katholischen Kirche, jedoch kaum in umgekehrter Richtung.
Zu den Konvertiten zählten ausschließlich Menschen mit einer geistigen und persönlichen Unabhängigkeit, also Angehörige der höheren Gesellschaftsschichten, wie Landesherren, Hofbeamte und Wissenschaftler.
Oft kamen junge Herren auf ihrer Kavalierstour in die katholischen Zentren Europas. Vor allem Rom hatte zur Zeit des Barock eine internationale Anziehungskraft, auch für Angehörige evangelischer Fürstenhäuser. Sie wurden in der Ewigen Stadt auf Anordnung des Papstes besonders zuvorkommend empfangen. Hier, wie auch in Wien und Paris waren künstlerische und wissenschaftliche Hochburgen.

Die Pracht des katholischen Gottesdienstes kam dem Empfinden und der Selbstdarstellung des Barockfürsten entgegen. Der Katholizismus galt als offener und der Bekenntniswechsel Christinas von Schweden wird mit dem Streben nach Selbständigkeit, Abneigung gegen die Enge des schwedischen, orthodoxen Protestantismus und der Erwartung größerer Freiheit in einem Reformkatholizismus erklärt.

Ein weiterer Aspekt für seinen Übertritt ist gerade in seinem Alter begründet. Der fast taube Anton Ulrich konnte die Lesungen, Gesänge und Predigten des protestantischen Gottesdienstes nicht mehr hören und genoss die alle Sinne ansprechende Feier der Katholischen Messe.

Sicherlich war Anton Ulrich auch beeinflusst durch die Theologie des Helmstedter Professors Georg Calixt (1586-1656). Dieser legte die Schwerpunkte seiner Theologie nicht auf die trennenden Unterschiede, sondern auf die Gemeinsamkeiten der Konfessionen. Er war ein Anhänger einer Wiedervereinigung auf der Grundlage der gemeinsamen Dogmen der ersten fünf Jahrhunderte. Einer seiner Nachfolger setzte diese irenische (friedliebende) Denkweise fort.

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