Dienstag, 12 Dezember 2017

Anton Ulrich Herzog zu Braunschweig-Lüneburg

Anton Ulrich - Der Mensch

Charmant, intelligent, kreativ und sehr gebildet und in späteren Jahren vielen seiner Zeitgenossen meilenweit voraus:
So wird Anton Ulrich von Maria Munding, der Erforscherin seiner Werke, beschrieben.

Ehrgeizig, verschwenderisch und vielleicht sogar ein bisschen größenwahnsinnig: Dieses Bild wird oft im Zusammenhang mit seinen politischen Ambitionen und dem Bau des Lustschlosses Salzdahlum gezeichnet.

In der schillernden Persönlichkeit Anton Ulrichs waren sicher viele Eigenschaften vereint, wobei das, was uns heute als Größenwahn erscheint, zu seinen Lebzeiten unter seinesgleichen durchaus üblich war.
Als Zweitgeborener hatte er wenig Aussicht auf die Regentschaft im Herzogtum. Trotzdem konnte der gegenüber seinem älteren Bruder viel talentiertere Anton Ulrich Einfluss bei der Regierung erringen und seine Ziele verfolgen. Dies konnte ihm vermutlich nur als gewinnendem und ehrgeizigem Mensch gelingen.


Anton Ulrich im Alter von 4 Jahren

Geprägt wurde der junge Anton Ulrich von seinem Vater und dessen Hang zur gelehrten Forschung, sowie von seiner Stiefmutter, welche in der Familie die Musik und das Theater pflegte. Anton Ulrich hat von seinen Lehrern - unter Ihnen der berühmte Sprachgelehrte Justus Georg Schottelius, kurzfristig der Nürnberger Literat Sigmund von Birken und zuletzt der Hofmeister Hieronymus Imhof - eine umfassende Bildung auf akademischem Niveau erhalten.

 

Neben dem klassischen humanistischen Bildungskanon wurden seine Brüder und er in diversen grafischen Techniken unterrichtet. Auch das Theaterspiel hielt der Vater August für persönlichkeitsfördernd.
Anton Ulrichs Wunsch, an einer Universität oder Ritterakademie studieren zu dürfen, hat der Vater nicht erfüllt. Es wurde ihm jedoch im Jahr 1655 eine Kavalierstour (Bildungsreise als Abschluss der Ausbildung) gestattet, die ihn über Süddeutschland nach Paris führte. Gerade aus Paris, wo er die Bekanntschaft des jungen Ludwig XIV. machte, hat er viele Eindrücke mitgebracht, aus denen er Zeit seines Lebens schöpft: z. B. die französische Schlossarchitektur als Vorbild für Schloss Salzdahlum und die Theateraufführungen als Maßstab für die beiden von ihm eingerichteten Opernhäuser.
Viele Reisen hat er danach nicht mehr unternommen. In den Jahren 1680 bis 1687 reiste er viermal nach Italien um z. B. in Venedig den Karneval, die Comedia dell'arte und die Oper zu genießen und zu lernen, wir man dort Opern und Theater aufführt.


Anton Ulrichs Ehefrau Elisabeth Juliane

Nach seiner Rückkehr wird er im Alter von 23 Jahren (1656) mit seiner Cousine Elisabeth Juliane von Holstein Norburg vermählt.
10 Jahre später stirbt der Vater August d. J. und Anton Ulrich unterstützt bald seinen herzoglichen Bruder bei den Regierungsgeschäften. Was hat Anton Ulrich bis dahin getan? Womit hat er seine Zeit verbracht? Der Vater wird ihn wie seinen älteren Bruder in die Regierungsarbeit einbezogen haben. Sicher hat er sich um seine Familie gekümmert, denn fast jedes Jahr hat seine Frau ein Kind zur Welt gebracht. Von seinen 13 Kindern haben immerhin 7 die Kindheit überlebt. Auf jeden Fall hat er die Zeit für sein literarisches Schaffen genutzt. Herzog Anton Ulrichs Werk spannt den Bogen von geistlichen Liedern zu Romanen (Die Römische Octavia), religiöser Lyrik (ChristFürstliches Davids-Harpfenspiel), Texten zu Singspielen und Libretti (Texte) für Opern (z.B. Orpheus).

Für das "Davids-Harpfen-Spiel", alle fünf Bände der "Aramena" und die ersten drei Bände der "Oktavia" übernahm der ehemalige Erzieher von Birken die Redaktion und betreute auch die Drucklegung.