Freitag, 24 März 2017

Anton Ulrich Herzog zu Braunschweig-Lüneburg

Anton Ulrich - Der Fürst

Anton Ulrich war als zweiter Sohn zu Beginn nicht für die Regierung in Wolfenbüttel bestimmt. Es wird jedoch häufig vermutet, dass der intelligente Anton Ulrich schon von seinem Vater August d. J. zur Unterstützung in Regierungsgeschäften herangezogen wurde. Nach dem Tod des Vaters 1666 erbte zunächst sein älterer Bruder Rudolf August (1627-1704) den Thron im Fürstentum Braunschweig - Wolfenbüttel. Diesem Bruder, der ein einfaches Leben ohne höfischen Glanz bevorzugt hat, war Anton Ulrich geistig weit überlegen. Er wurde bereits ein Jahr nach der Amtsübernahme zum Statthalter seines Bruders ernannt. Stufenweise überließ der Herzog seinem Bruder Anton Ulrich immer mehr Entscheidungsfreiheit. Im Jahr 1685 erhob er ihn zum Mitregenten und bald hatte Anton Ulrich die Zügel der Herrschaft fest in seiner Hand. Er verstand es, seine Pläne und Neigungen gegenüber seinem vorsichtigen und zurückhaltenden Bruder durchzusetzen.


Rudolf August und,
Anton Ulrich 1695/1700

Herzog Rudolf August residierte im Schloss Wolfenbüttel, wohnte aber mit seiner Familie am liebsten in Hedwigsburg (Landkreis Wolfenbüttel). Anton Ulrich hatte einige Ämter und Zehnthebungen als Apanage (Zuwendung zur Sicherung des standesgemäßen Lebens) geerbt.
Er zog in den Prinzenhof (Kleines Schloss) als Residenz und hat sich und seiner Familie bereits in den 1660iger Jahren in Salzdahlum mit einer Villa auf dem Land ein Refugium geschaffen.

 

Der dritte Bruder, Ferdinand Albrecht, wurde wohl auch auf Betreiben Anton Ulrichs, mit dem kleinen und vom Herzogtum abgetrennten Schloss Bevern und den Besitzungen an der Weser bedacht.

Nach dem 30-jährigen Krieg (1618 - 48) musste das Herzogtum Braunschweig - Lüneburg im Zuge der Neuordnung der welfischen Fürstentümer einschneidende territoriale Verluste hinnehmen.

Anton Ulrichs Hoffnung, durch die Heirat seines ältesten Sohnes mit der Erbtochter des Celleschen Herzogs, seine Gebiete zu vergrößern und damit berechtigte Ansprüche auf die neunte Kurfürstenwürde (Wahlrecht und Wählbarkeit zum Römisch-Deutschen Kaiser) zu stellen, zerschlug sich mit dem Tod des jungen Soldaten-Sohnes. Nun drehte sich das Rad des Schicksals und der Sohn des Calenberger Herzogs (Haus Hannover) heiratete die Celler Prinzessin. Dieser bemühte sich nun beim Kaiser zielstrebig um die "neunte Kur" und hatte Erfolg. Anton Ulrich hat seine Niederlage lange nicht akzeptiert und so wendet er sich gegen Kaiser und Reich. Er bat den Französischen König Ludwig XIV. um finanzielle Unterstützung zur Aufstellung von Truppen gegen Calenberg und Celle. Mit seiner Allianz gegen die Hannoversche Kurwürde isolierte er das Herzogtum weitgehend im Reich und seine Bestrebungen führten 1702 in eine Krise. Anton Ulrich wurde durch kaiserliches Mandat der Mitregentschaft enthoben und es rückten Truppen aus Hannover und Celle nach Wolfenbüttel ein. Anton Ulrich zog sich nach Thüringen zurück und Rudolf August musste sich verpflichten, die hannoversche Primogenitur (Erbfolgerecht ausschließlich zugunsten des Erstgeborenen) anzuerkennen und Anton Ulrich ebenfalls zur Zustimmung zu bewegen. Nur zögernd begriff Anton Ulrich die veränderte Bewusstseinslage im Reich und unterschrieb. Herzog Rudolf August sah nun die Gelegenheit gekommen, auch die anderen Streittragen im welfischen Haus zu regeln. Er starb jedoch schon 1704.

Als Alleinregent mit 71 Jahren gab Anton Ulrich seine weiteren Versuche einer anti-hannoverschen Koalitionspolitik bald auf. Er wurde nach dem Tod des Celler Herzogs zum Senior des Hauses Braunschweig-Lüneburg. Diese Führungsrolle eröffnete dem noch rüstigen Herzog neue diplomatische Möglichkeiten.

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